Archiv für den ‘zen’ Tag
Meditation befähigt zu handeln
Noseletter 78: Was passiert, wenn man meditiert?
Von außen gesehen scheint in Stille nicht viel zu geschehen. Die Wahrheit ist das Gegenteil: Stille bringt Klarheit und die Fähigkeit, direkt auf eine Situation zu antworten – intelligent zu handeln.
Zen – Geheimtipp für Führungskräfte
Meditation bringt viele Effekte mit sich, die für Führungskräfte hilfreich sind. Stille ist einer dieser Effekte. Es ist geistig schwer nachzuvollziehen, doch durch Meditation zu erfahren: In der Stille liegt eine innewohnende Kraft zu handeln. Eine der großen Weisheiten von Meditation ist die Vereinigung von scheinbar unvereinbaren Gegensätzen – Paradoxien in der Meditation. So befähigt innere Stille, klar und direkt auf eine Situation zu antworten und sich dabei vollkommen auf die eigene Intelligenz zu verlassen.
Unter der Last von Verantwortung zögern Führungskräfte manchmal, aktiv in Situationen einzugreifen, die tatkräftiges Handeln erfordern. Innere Klarheit ist ein Juwel, dessen Glanz die Dunkelheit von Zweifeln vertreibt. Einmal an Meditation und ihren Auswirkungen geschnuppert, zieht es deshalb heute viele Manager in Kloster, Sesshins und Meditationskurse, wo sie die Kunst der Stille erlernen können. Meditation ist zum Geheimtipp unter Managern geworden.
Kein Zögern – Handeln!
Von Zen Meistern lässt sich einiges lernen. Sie sprechen nicht viel, sie handeln. Sie genießen jede Situation als Möglichkeit, ihre Klarheit in Handlungen auszudrücken. Ein Beispiel:
Ein Professor besuchte Zen Meister Joshu und wollte ihn über Zen ausfragen. „Nimm’ Platz“, empfing ihn Joshu, „ich bringe dir eine Tasse Tee.“ Er gab dem Professor eine Tasse in die Hand und goss den Tee hinein. Die Tasse war bald voll, doch Joshu hörte nicht auf, hinein zu gießen. Der Professor rief: „Stopp! Die Tasse ist voll, es passt nichts mehr hinein!“ Joshu hielt an und sagte: „Genauso verhält es sich mit deinem Verstand. Du bist voller Gedanken, es passt nichts mehr hinein. Komm wieder, wenn du Raum für Antworten hast.“
Begegnung mit Zen Meister Joshu
Rinzai, Zen-Meister und Holzhacker
Bodhidharma und sein Nachfolger
Zen-Meister Tanka Tennen stirbt
Menschen, die Meditation erfahren haben, begegnen einer inneren Klarheit, die sie zum direkten Handeln befähigt. Sie erfassen eine Situation in ihrer Gesamtheit und handeln adequat. Das kommt nicht nur Führungskräften zugute, sondern jedem Menschen.
Zen für Führungskräfte -
ein Medienspiegel
Antworten von innen
„Führen kann nur, wer sich selbst führen kann, sagt Friedhelm Boschert, Vorstandschef der Volksbank International, Österreich. Boschert sieht in der Zen-Meditation einen für ihn geeigneten Weg, zu mehr Authentizität zu finden, auch zu mehr Authentizität im Führen von Menschen. Sein Bedürfnis, „in sich reinzuhören“, zu meditieren, habe ihm, Boschert, zu mehr Gelassenheit, Ruhe und Konzentration verholfen.
Er sei davon überzeugt, dass eine Führungskraft zukünftig nicht mehr hierarchisch, sondern authentisch führe, aus sich selbst heraus und im Einklang mit sich selbst. Führungskräfte – und das gelte besonders in Krisenzeiten – brauchen mentale Stärke, Konzentration, Selbstsicherheit und Gelassenheit, um ihren Mitarbeitern Orientierung geben zu können, so Boschert.“
Antworten von innen: Zen für Führungskräfte
Effektiver Arbeiten mit Zen
Management und Zen, passt das überhaupt zusammen? „Ja“, findet Helmut Rümke, Gründer der Zen Leadership School. Meditation bringe Selbstvertrauen, inneres Gleichgewicht, Kreativität, körperliche Kraft und eine Verbesserung der kognitiven Funktionen.
„Wer konzentriert ist, kann Prioritäten setzen. Und hat so Energie und Zeit für das Wesentliche.“ Unternehmer könne er durch effizienteres Arbeiten von elf Stunden Arbeitszeit auf fünf Stunden bringen, „und die Mitarbeiter sind auch glücklicher.“
Nur dieser Augenblick
„…Es geht um unser Leben, sonst nichts. Jeder Handgriff, jedes Wort, jede Begegnung ist Leben, ob angenehm oder nicht, ob schwierig oder leicht, jeder Schritt in meiner Arbeit ist ein einmaliges Stück meiner Lebenszeit, einer Zeit, die nie mehr zurückkommt. Schon bisher hatte ich meine Arbeit immer mit größter Hingabe getan, das war ja meine Gefahr. Jetzt wurde daraus eine Hingabe an das Leben, an mein Leben, das mir geschenkt ist und das so nie wieder kommen wird und an das Leben um mich herum. Eine ganz neue, ungeahnte Freude erfüllte mich über eine lange Zeit.
Wenn ich meine Arbeiten tue, um an ihnen mein Leben zu spüren und auch ihre Schwierigkeit als Leben zu nehmen, dann bekommt meine Arbeit ein ganz anderes Gesicht und ich kann mehr und mehr lernen, meinen Beruf zu Leben werden zu lassen und nicht mehr warten zu müssen, bis am Abend mit der Freizeit das Leben beginnt wie es mir und vielen Kollegen in meiner Umgebung erging. Wir wussten es nicht besser, es war einfach so.“
Vortrag vom 30.04.2005
von Herwig Burgeff
(als Pdf bei Google zu finden)
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Mehr Achtsamkeit im Alltag durch Meditation
Beobachten verändert die Welt in der wir leben
Der Leere auf der Spur
Noseletter 60 – Was passiert, wenn man meditiert?
Meditation verändert die Wahrnehmung im Leben. Normalerweise schauen wir auf Formen und vergessen die Leere, die alles durchdringt. Im Folgenden der Versuch, Leere zu erfassen.
Alles durchdringende Leere
Normalerweise richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf Formen, die Augen wandern von einer Form zur nächsten. Wenn man meditiert, bleibt die Aufmerksamkeit auf dem einen, der Leere, der Stille, die alles durchdringt.
Im Folgenden ein paar Formen, bei denen Leere besonders gut wahrzunehmen ist.
Was ist Leere?
Der leere Bambus
In manchen Traditionen wird Bewusstsein, Dharma, Nirvana, Tao, der Buddha oder wie man es auch immer nennen mag, mit der Leere eines hohlen Bambus oder einer Flöte verglichen. Der Meditierende ist die Flöte, durch die die Leere sein Lied spielt. Höre dieser Shakuhachi Flöte zu, hier wird Leere zu einem Ton.
Shakuhachi Flöten
Suche nach der eigenen Leere
Zen Mönche suchen ihre wahre Natur, die auch Natur des Universums ist. Sie suchen die Leere, die in ihrer eigenen Form ist.
Auf der Suche nach dem Geist des Zen
Koans, Fingerzeige zur Leere
Die Zen Tradition hat sich viele Wege ausgedacht, Leere sichtbar zu machen. Zum Beispiel in der Form von Worten, die auf das nicht Beschreibbare hinweisen.
Zen Quotes, Koans and Wise Sayings
Die Aufmerksamkeit auf der Leere halten
Im folgenden Link ist eine sich bewegende Form zu sehen. Schaue entspannt auf den kleinen Punkt in der Mitte und lasse die Aufmerksamkeit auf dem weißen Hintergrund. Nimm den leeren, weißen Inhalt wahr, anstelle der gelben, sich bewegenden Form.
A Theo Jansen´s mechanism
Leere in einem Wasserfall
Hier nimmt Leere die Form von Wasser an. Stille durchdringt das sich bewegende Wasser, wie auch die unbeweglichen Felsen, über das es fließt.
Havasupai Indian Waterfal
Geschlagene Leere
Sie hauen auf der Leere herum und bringen sie zum klingen. Hier wird Leere zu einer großen Schwingung…
KODO Trommler
Handeln mit Leere
Traditionelle Meditationspraktiken leiten dazu an, aus der Leere, der Stille zu handeln. Meditative Kampfkünste sind daraus entstanden, Qi Gong, Tai Chi und auch Kyudo, das ist meditatives Bogenschießen. Ein Satz aus dem folgenden Clip: Manchmal treffen wir ins Ziel, doch verpassen dabei das Selbst.
Kyudo oder Zen Archery
Und schließlich…
Auflösung ins Nichts
Wieder zurück zur Leere
Tibetische Mönche malen in Stille ein Sandmandala, eine Form, die die mysteriöse Leere widerspiegelt. In diesem Filmbeitrag wird die leere Form des Mandalas wieder aufgelöst. Die Form wird wieder zum Nichts. Die Materie wird wieder der Natur zurück gegeben, der Sand in einen Fluss zurückgeschüttet.
Auflösung eines tibetischen Sandmandalas
Viel Spaß beim Meditieren
und der endlosen Leere
Samarpan
PS: Weitere Sekunden Meditationen, die helfen, Leere auf die Spur zu kommen
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Forschergeist
Noseletter 54 – Was passiert, wenn man meditiert?
Eines der Merkmale von meditierenden Menschen ist, dass sie sich wesentliche Fragen stellen. Fragen, die aus einer Intimität mit sich selbst kommen. Es sind authentische Fragen, die wirklich interessieren, die wirklich gewusst werden wollen. „Was ist der Sinn meines Lebens?“ oder „Wer bin ich?“ sind solche Fragen, die in der Meditation beantwortet werden.
Man sucht nach Antworten auf wahre Fragen
Das Wichtigste im Leben ist,
sich zu fragen,
was das Wichtigste im Leben ist.
Shunryu Suzuki Roshi
Am Anfang einer Meditationspraxis steht, dass man „es“ wissen will. Meditation ist Balsam für die nach Wahrheit suchende Seele. In der Stille und im intimen Kontakt mit sich selbst tauchen die wichtigen Fragen des Lebens auf. „Was ist der Tod?“ „Wer bin ich wirklich?“ In der sehr intimen, sich selbst nahen Zeit der Meditation enthüllen sich die Antworten.
Selbst Antworten finden
„Finde heraus, was dein Motiv für Meditation ist, was du möchtest. Doch du machst das nicht. Du nimmst einfach ohne Nachzudenken an, was dir gesagt wird. Jemand verspricht dir etwas und dann willst du es. Wenn du dir dein Motiv ansiehst, dann entdeckst du, dass du etwas erreichen willst. Du bist wie ein Geschäftsmann, der so viel Geld wie möglich verdienen will, es ist der gleiche Drang. Du wirst sehen, dass nur einfach still zu sitzen, ohne einen wahren Beweggrund dabei zu haben, zu allem möglichen illusorischem Unsinn führt. Wenn das deine Absicht ist, warum du still sitzt, dann kannst du es gleich bleiben lassen.“
J. Krishnamurti
In der Meditationspraxis geben wir unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuneigung und unsere Zeit dem Wesentlichen. Der Weg durch den Dschungel der Gedanken ist unbestimmt und individuell, wir können ihn nur selbst herausfinden. Seit Jahrhunderten geben Meister der Meditation alle möglichen Meditationstechniken, um dem nach Wahrheit Suchenden zu helfen, selbst Antworten zu finden – ja, zur Antwort zu werden.
Auf Messers Schneide
Die Eigenschaft eines Forschergeists muss in der Tiefe verstanden werden. Ein Suchender nach Wahrheit bewegt sich ständig auf Messers Schneide. Die Wahrheit kommt nicht darüber, sie erforschen und erfassen zu wollen, durch unnachgiebiges Streben und im Kampf mit sich selbst:
„Es ist kein Verdienst, sich überaus anzustrengen oder exzessiv mit sich zu kämpfen. Es gibt keine Pluspunkte für Leute, die sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis verrückt gemacht haben.“
Adyashanti
Ein meditierender Mensch hat einen „Anfängergeist“,
„…ein Geist, der immer offen für Entdeckungen ist. Ab dem Augenblick, in dem man glaubt, etwas verstanden, etwas begriffen, etwas verwirklicht zu haben, ist unser Geist erfüllt von diesem Eindruck und hat keinen Platz mehr, um neue Erfahrungen zu machen. Um also immer erfahrener zu werden, darf man nicht durch die Spuren seiner bisherigen Erfahrungen zu stark beeindruckt werden.“
Anfängergeist
Forschergeist beim Meditieren ist der paradoxe Zustand, einerseits nach Antworten zu suchen, und andererseits entspannt auf sie zu warten. Es klingt unvereinbar, ist es aber nicht. Selbst ausprobieren!
Viel Spaß beim Forschen und Meditieren
wünscht
Samarpan
PS: Wahrheit ist für Individuen
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Die Intelligenz des Herzens erblüht
Noseletter 45 – Was passiert, wenn man meditiert?
Es ist unerklärlich, was passiert, wenn man meditiert. Seit 45 Wochen versuche ich das Unaussprechliche festzuhalten und habe mich heute dazu entschlossen, einmal bewegende Bilder sprechen zu lassen. Bilder von Meistern der Meditation, deren Intelligenz nicht nur aus dem Herzen scheint, sondern auch aus deren Augen…
Um einmal darzustellen, wie sich Intelligenz durch Meditation manifestieren kann, habe ich mehrere Video Clips von Meistern gesammelt, deren Intelligenz relativ leicht wahrzunehmen ist. Heute geht es also nicht so sehr um die Worte, die in den Videos gesprochen werden, sondern es ist der Versuch, Intelligenz abzubilden.
Meher Baba (1894-1969)
Wortlose Intelligenz
Wir beginnen mit Meher Baba. Meher Baba kritisierte, dass Leute sich anschreien: „Je größer die Liebe, desto sanfter die Stimme.“ Letztlich brauche man gar keine Worte mehr. Deshalb schwieg er vom 10. Juli 1925 an die restlichen 44 Jahre seines Lebens. Um sich mitzuteilen, nutzte er fortan Buchstabentafeln und ab 1954 Handzeichen.
Interview mit Meher Baba, 1932
Avatar Meher Baba
Jiddhu Krishnamurti (1895-1986)
Intelligenz hat seine eigene Disziplin
„Die Wahrheit ist ein Land ohne vorgegebene Wege“, sagt Jiddhu Krishnamurti. Keine Methode, keine Religion, kein Lehrer könne zur Wahrheit führen. Jeder sei für seinen Weg selbst verantwortlich.
Krishnamurti über Intelligenz und Disziplin
Why don’t you change?
Georges Iwanowitsch Gurdjieff (1866-1949)
Harmonische Entwicklung des Menschens
Georges Iwanowitsch Gurdjieff spricht von einem Vierten Weg als Synthese und Weiterentwicklung der drei traditionellen Wege zur Evolution des Denkens (Yogi), des Fühlens (Mönch) und des Körpers (Fakir). Demnach verläuft der Vierte Weg im täglichen Leben – nicht etwa hinter Klostermauern oder im fernen Himalaya.
Tribute to Gurdjieff
The Forth Way – Fotos und Texte
Suzuki Shunryū Roshi (1905-1971)
„Dieser Kuchen ist köstlich“
Suzuki Shunryū Roshi soll auf seinem Totenbett nach einem Stück Kuchen als letzten Wunsch verlangt haben. Seine letzten Worte waren:“Mmmhhh, dieser Kuchen ist köstlich.** (Die letzten Worte eines Meisters sind traditionell die Zusammenfassung seiner Lehre.)
Sound and Noise
Taisen Deshimaru (1914-1982)
Einzig konzentriertes Sitzen
Taisen Deshimaru, japanischer Zen-Meister in der Sōtō-Linie, ließ sich in Paris nieder und versammelte in kurzer Zeit eine Schar Anhänger um sich, mit denen er sehr erfolgreich die Verbreitung des Zen-Buddhismus in Europa begann. Es entstanden zahlreiche neue Zen-Gruppen, die die Praxis des Zazen (Shikantaza: Einzig konzentriertes Sitzen) übten.
How to sit in Zazen
Mildtätige Schläge vom Meister
Osho (1931-1990)
Das Leben in allen seinen Facetten lieben und feiern
Osho sagt, jede wie auch immer geartete Tätigkeit kann dem inneren Wachstum dienen. Osho widerspricht sich oft selbst, bewusst, denn er will vermitteln, dass es nicht auf die Worte ankommt, sondern vielmehr darum geht, die Bindung an deren Bedeutung und Inhalte fallen zu lassen – wer die Wahrheit sucht, muss den Sprung ins Unbekannte wagen.
Selling Bliss
Anybody who gives you a belief system is your enemy
Alle Meister, die ihr hier gesehen habt, sind ganz normale Menschen, die nur ein wenig intelligenter sind als der Rest der Welt, das ist alles. So intelligent, wie du und ich in unserer eigenen Weise sein können.
Und noch was zum Schluss:
Perfekte Meister gibt es zu jeder Zeit
Viel Spaß mit der Intelligenz des Herzens
wünscht
Samarpan
PS: Jemand mit Intelligenz in seinen Händen
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Put-Zen!
Noseletter 40 – Was passiert, wenn man meditiert?
Ich frage Matthias, der gerade die Glastüre zur Küche putzt, was passiert eigentlich bei dir, wenn du meditierst? Er antwortet mit dem Offensichtlichen: Klarheit!
Meditation reinigt von Konditionierungen und Vorstellungen, die die Sichtweise verstauben. Der ständige Gedankenstrom ist wie Schmutz, der sich auf das legt, was wirklich ist. In vielen Traditionen wird Bewusstsein mit einem Spiegel verglichen, der durch Staub verunreinigt wurde und durch Meditation wieder sauber gemacht wird. Meditierende Menschen könnten also auch als Putzfrauen und Putzmänner bezeichnet werden.
Es wird geputzt und sauber gemacht
Lieber Freund,
Dein Herz ist ein polierter Spiegel.
Du musst ihn von den staubigen Schleiern sauber wischen,
die sich auf ihm angesammelt haben,
denn sein Schicksal ist es,
das Licht göttlicher Geheimnisse widerzuspiegeln.
Al-Ghazzali
Matthias erzählt mir, wie er während einer Meditationsgruppe den Raum betrachtete und ihm alles besonders klar und sauber vorkam. Der Meditationsleiter erklärte ihm seine Wahrnehmung: „Der Gruppenraum ist nicht sauberer als vorher, doch durchs Meditieren sind deine Augen klarer geworden. Du hast deinen inneren Spiegel, dein Bewusstsein, gereinigt und siehst deshalb alles klarer.“
Vor einigen Jahren bot ich einen Kurs „Put-Zen“ an – den inneren und äußeren Spiegel reinigen. In dem Wochenendseminar wurden die Wunden vor allem von Frauen geheilt, die im Alltag ja meist immer noch die wenig wertgeschätzte Aufgabe des Put-Zens übernehmen. Im Zen ist Put-Zen eine höchst spirituelle Angelegenheit: „Uns wurde gesagt, dass Put-Zen die Seele reinigt. Man wäscht so alle schlechten Gedanken und Taten mit ab“, erzählt eine Touristin über ihren Aufenthalt in einem Zen Kloster in Japan.
Crash-Kurs zur Stress-Bewältigung
Meditation an sich ist eine ständige Reinigung. Stille reinigt das Bewusstsein: „Wir plappern den ganzen Tag so viel Unnötiges, Unbedachtes, auch Negatives vor uns hin, und wir belasten damit unsere Seele sehr, ohne es zu bemerken. Schweigen ist Reinigung für die Seele.“
Nikolaus Klein
Meditation bedeutet also, sauber zu machen, zu put-Zen, den inneren Spiegel klar zu wischen. „Wenn man in Meditation fortschreitet, wird der Geist mehr und mehr gezähmt, und schließlich verlagert man den Fokus der Meditation auf sich selbst. Infolgedessen entsteht ein Gefühl von großer Freude, Klarheit, und ein weiter, durchdringender Sinn für Leerheit.“
Buddhismus heute
Put-Zen – innen wie außen
Im folgenden ein Erfahrungsbericht von Meredith, einem Blogger, der sich „Graceful Presence“ nennt und der beim Put-Zen auch den inneren Spiegel säubert:
„Wenn ich sauber mache, dann schwirren viele Gedanken in mir herum und ich erkenne, dass während des Put-Zens auch ein wichtiges Ausmisten in mir selbst geschieht. Die Gedanken bewegen sich in einem Fluss von Bewusstsein und ruhen sich einen Moment lang auf etwas aus, das gerade ein wenig staubwischen benötigt. Ich nehme diese Gedanken genau wahr und versuche sie dann gehen zu lassen.
Während des Put-Zens denke ich über das Metapher des Spiegelpolierens nach. Wenn ich meinen inneren Spiegel ansehe, was sehe ich darin, ganz ehrlich? Was ist dieser Schleier, der mein Herz bedeckt? Was ist dieser staubige Schleier von Ansammlungen aller Art, der das Hervorscheinen meiner reinen Gegenwart behindert?
Blog Graceful Presence
Es gibt einen Film von Doris Dörrie „Erleuchtung garantiert“, bei dem die beiden Helden in einem Zen Kloster den Boden wischen müssen. Als der eine es endlich kann, begreift er, warum Put-Zen Teil der Kloster-Routine ist: Er wische nicht nur den Boden, triumphiert er, er wische auch seine Sorgen weg, jeden Tag ein paar mehr!
Erleuchtung Gerantiert!
„Als wir „Erleuchtung garantiert“ in einem Kloster in Japan gedreht haben, hat mich der Abt ausgelacht, weil er gesehen hat, dass ich wie eine Fliege gestrampelt habe gegen dieses starre Netz von Ritualen. Du verstehst es halt nicht, hat er gesagt, du sollst nicht putzen, um zu putzen, sondern du putzt dich selbst.“
Doris Dörrie
Und schließlich noch einen Hinweis von Thich Nhat Hanh für Putzfrauen und Putzmänner, die Schwierigkeiten mit dem Gestank des (eigenen) Mülls haben:
„Im Abfall sehe ich eine Rose.
In der Rose sehe ich den Abfall.
Alles ist in Verwandlung.
Selbst die Beständigkeit ist unbeständig.
Abfall kann zuweilen furchtbar stinken, insbesondere organischer Abfall. Aber er kann auch in wertvollen Kompost umgewandelt werden, mit dem wir den Garten düngen. Die duftende Rose und der stinkende Abfall sind zwei Aspekte derselben Existenz. Ohne das eine kann das andere nicht sein. Alles ist in Verwandlung. Die Rose, die nach einer Woche verdorrt ist, wird zu einem Teil des Abfalls. Aber nach sechs Monaten wird der Abfall wiederum verwandelt in eine Rose.“
Thich Nhat Hanh
Viel Spaß also beim Put-Zen
wünscht
Samarpan
PS: Körper und Psyche Put-Zen mit Tibetan Pulsing
PPS: Eine Geschichte von Buddha, der beschreibt, wie der Fluss wieder klar wird
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Mit Totalität fühlen
Wenn wir etwas sehen, können wir das, was wir sehen, auch fühlen? Meditation bedeutet, mit seinen Gefühlen in Kontakt zu sein. Fühlen ist ein wichtiges Element in der Meditation. Fühlen – gleichbedeutend mit Wahrnehmen. Wahrheit kann bis in den kleinen Zeh gefühlt werden. Überall im Körper können Bewusstheit, Liebe, Leben gefühlt werden. Emotionen werden gefühlt/wahrgenommen, genauso, wie Schmerzen oder Berührung. Auch das Mit-Fühlen geht nur, wenn man sich selber fühlt. Ein Noseletter, der sich ganz dem Fühlen widmet.
Fühlen ist Wahrnehmen

In der Meditation wird alles genau gefühlt, also wahrgenommen, was sich vor dem inneren Auge aufbaut: Gedanken, Emotionen, Schmerzen. …
„Zen bedeutet mit seinen Gefühlen in Kontakt zu sein, sie tief zu durchdringen und dann über sie hinauszugehen. In Kontakt sein, aber nicht an ihnen haften, sie nicht lieben, sich nicht sagen: ‘Jetzt muß ich aber traurig sein.’ – Es gibt Leute, die hängen an ihren Emotionen. Im Zen hängt man an überhaupt nichts. Wenn man traurig ist, ist man völlig traurig. Aber schon am nächsten Tag kann man voller Freude sein. Wie das Wetter, das sich ändert.“
Aufzug aus Der Buddhaweg – Gefühle
Bernd Schiele beschreibt die Erfahrung von Gefühlen in der Meditation so: „Sie erfahren, was Sie tatsächlich fühlen —und nicht, was Sie bloß zu fühlen glauben oder gar fühlen sollten. Sie werden immer mehr fähig, Ihre Gefühle so anzunehmen, wie sie sind; mit der Zeit werden Sie freundlicher, besser gestimmt, zufriedener und offener. Die gedankliche und emotionale Verwirrung nimmt ab, Ihr Denken und Fühlen wird reiner, klarer und direkter.“
„Das heißt nicht, dass es überhaupt keine Gefühle mehr gibt. Nur die heftigen Emotionen, die, die uns stören, haben die Tendenz zu verschwinden. Gefühle sind Teil des Lebens, und das geht weiter. Selbst wenn man Zazen macht, ist man traurig oder froh. Auch Zen-Meister haben Gefühle. Ich habe Meister Deshimaru erlebt. Er hatte Emotionen. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Leuten, blieb er nicht Gefangener seiner Emotionen, sie sind sehr schnell vorbeigegangen. Wenn man z.B. traurig ist, ist man völlig traurig. Man geht bis in die Tiefe der Traurigkeit. Und das geht vorbei. Das ist wie eine Wolke, die vorüberzieht. Das heißt aber nicht, dass es keine Wolken mehr gibt, sondern nur dass sie nicht verweilen. Sie ziehen schnell vorüber.“
Auszug aus Der Buddhaweg- Gefühle
Geschichte vom traurigen Zen Meister
„Ein Zenmeister weinte 48 Stunden lang. Einer seiner Schüler sagte zu ihm: „Sie sind kein richtiger Meister. Sie lassen sich von ihren Emotionen überwältigen und heulen wie ein kleines Kind.“ Der Meister antwortete: „Meine Freiheit besteht darin, zu weinen, wenn ich traurig bin.“ Er war völlig eins mit seiner Trauer, als er traurig war. Und er war wirklich in der Tiefe seiner Traurigkeit. Der Erfolg davon war aber, daß er den größten Teil seiner Traurigkeit in 48 Stunden bewältigt hatte. Dann war’s vorbei.
Es gibt andere Leute, die gegen die Trauer kämpfen und sich bemühen, sie zu verbergen. Sie verleugnen die Trauer und tun so, als wären sie überhaupt nicht traurig. Es gelingt ihnen nicht zu trauern. So bleiben sie mit dieser Trauer dann Monate lang. Das ist viel schlimmer. Das sollte man nicht tun.
Man kann durchaus damit fortfahren, Emotionen zu empfinden, ohne sie zu dramatisieren. Das Leben geht weiter, man wird nicht zu einem Leichnam. Man empfindet weiter Wünsche und Emotionen, aber man ist davon nicht mehr konditioniert, wird davon nicht mehr geleitet. Wenn man in einem bestimmten Augenblick traurig ist, wird das nicht mehr völlig unser Handeln ändern. Und wenn man wütend ist, wird man z.B. nicht mehr gewalttätig. Aber es ist wichtig die Wut zu zuzulassen, wenn sie da ist. Man unterdrückt sie nicht, man folgt ihr aber auch nicht. Sie wird zum Koan: Was ist das? Man kann wirklich von einer Emotion aus erwachen.“
Auszug aus Der Buddhaweg- Gefühle
„Der Übungsweg (die Meditation) hilft uns, auf eine Ebene zu gelangen, auf der die Fixierung an Gedanken oder Gefühle aufgehoben wird. Die Angst kann auf der Ichebene also durchaus weiterexistieren, Wut kann mich weiter plagen, aber ich erfahre, dass mein eigentliches Wesen sehr viel tiefer liegt und von all dem nicht erschüttert werden muß. Ich lerne, Gefühle zuzulassen und zu haben, ohne von ihnen besetzt oder blockiert zu sein. …“
Willis Jäger, Zen Akademie
Thema Mit-Fühlen
Jemand, der nicht fühlt, sich nicht wahrnimmt, ist von der Welt abgeschnitten. Nicht nur von seiner eigenen Welt, sondern auch der seiner Umgebung. Warum?
„Wie können wir uns vorstellen, was andere gerade denken oder beabsichtigen? Entscheidend ist offenbar eine Art Simulation in unserem Gehirn, sobald wir eine Person beobachten. Die Handlung wird sozusagen innerlich imitiert. Neue Forschungsergebnisse zeigen sogar: Man braucht das Gefühl für seinen eigenen Körper, um auch die Handlungen eines Gegenübers richtig einzuschätzen und sie im wahrsten Wortsinne (innerlich) nachvollziehen zu können.“
Bericht aus Psychologie Heute
„Im Mitgefühl ist immer auch ein Teil Emotion enthalten, Mitleid mit den Wesen, die leiden. Wenn man überhaupt nicht berührt ist, fällt es einem oft schwer, zur nächsten Etappe überzugehen, in der man sich fragt: „Was kann ich jetzt eigentlich tun, um dieses Leiden zu erleichtern?“ Wenn man aber von Mitleid überwältigt ist, ist das einzige, was man machen kann, mit dem anderen zu weinen, ohne dass man Weisheit schafft. Der Geist ist nicht klar, sondern ist von der Emotion ergriffen. Man kann nicht sehen, was das Richtige ist, um zu helfen. Man muss also die Fähigkeit bewahren, Emotionen zuzulassen, und die Fähigkeit kultivieren, sie schnell vorüber ziehen zu lassen und sich nicht von Emotionen gefangen nehmen zu lassen.“
Auszug aus Der Buddhaweg – Gefühle
Und schließlich:
Was kann man bei der Meditation fühlen?
„Wenn die Konzentration stärker wird, so fühlt der Meditierende Leichtigkeit in Körper und Geist. Was aber auch für Gefühle auftauchen mögen, der Meditierende sollte wissen, daß da ‘fühlen’ ist und dann das Objekt loslassen.“
Acharn Tippakorn
Viel Spaß beim Meditieren und Fühlen
wünscht euch
Samarpan
Spiritueller Kitsch und das leere Herz
„Der größte Teil dessen, was Menschen für Religion halten, ist entweder Machtpolitik oder spiritueller Kitsch“ sagt Wolf Schneider, Herausgeber der Zeitschrift Connection. Seine Thesen über Missverständnisse um Spiritualität haben mich interessiert. „Das Herz ist besser als der Kopf“ sei eines der Irrtümer in der Esoterikszene. Ich kenne die weibliche Variante, die dem Mann sagt: „Sei nicht im Kopf, gehe lieber ins Herz“. Gemeint ist damit, lieber zu fühlen als zu analysieren.
Obwohl früher selbst benutzt, beruht – meiner heutigen Meinung nach – dieser gut gemeinte Rat tatsächlich auf einem Missverständnis über das Herz. Im Zen gibt es den Begriff des „Leeren Herzens“. Das Herz wird zu einem stillen See, in dem Denken und Gefühle gleichermaßen versinken.
Missverständnis Herz

„Typisch für die sich so gerne wertfrei gebende Szene“, meint Wolf Schneider, Herausgeber der Zeitschrift Connection, „ist die positive bis überschwängliche Bewertung des Herzens gegenüber dem Kopf. Das Hauptproblem ist dabei: Was ist mit dem Herzen eigentlich gemeint? Gewiss nicht der Muskel, der das Blut durch den Kreislauf pumpt, sondern viel eher der Sitz der Gefühle. In der einfachsten Fassung sagt dieses weitverbreitete Klischee: Gefühlsentscheidungen sind besser als Verstandesentscheidungen. Das ist in etwa auch die Aussage der Romantik gegenüber dem so vernunftbetonten 18. Jahrhundert.“
Wolf Schneider in „Wege“, Ausgabe 4/2007. Ein ähnlicher Artikel ist in seinem Editorial zu 10/2006 für die Connection zu lesen.
Das Leere Herz beherbergt Gefühle und Gedanken
Wolf Schneider bezieht sich auf die gängigen Missverständnisse ums Herz. Herzlich meint dort gefühlsbetont und emotional, ohne dabei wahr zu nehmen, dass Emotionen ebenfalls vom Denken gesteuert sind. Wenn im Zusammenhang von Meditation über das Herz gesprochen wird, so ist das leere Herz gemeint. Das bedeutet nicht, dass keine Gefühle oder Gedanken im Herzen sind. Im leeren Herzen hat alles Platz. Es ist der Urgrund für jede Form.
„Die Leere (des Herzens) darf nicht vergegenständlicht werden, sie ist nicht etwas Absolutes, vor allem nicht leerer Raum. … Manche Anhänger begnügten sich damit, im Zen-Sitz (za-zen) nichts anderes zu tun, als alle Gedanken und Gefühlsbewegungen abzulegen, nichts zu denken, und so in sich ein gedankliches Vakuum zu schaffen. Für Hui-neng ist dies nicht nur « unvernünftig », sondern « ketzerisch », eine schlimme Abweichung von der Wahrheit.“
Aus: Stille und Leere im Zen-Buddhismus von Carl-A. Keller
Das Herz – ein ruhiger, stiller See
Thomas Reestorff hat eine Abhandlung über das Leere Herz geschrieben. Er verbindet das Wissen der chinesischen Medizin mit dem Verständnis des Leeren Herzens im Buddhismus. Ein außerordenlich interessanter Artikel, so finde ich. Ich kann leider nicht auf alle Aspekte des leeren Herzens eingehen, die müsst ihr selbst nachlesen. (Es braucht ein wenig Geduld, sich in die Formulierungen einzulesen, doch dann ist es spannend) …
Ein paar Auszüge daraus:
Das Herz bildet die Grundlage, um sich dem leeren Raum zu öffnen und mit Aufnahmebereitschaft das Göttliche in uns eindringen zu lassen.
…
Wie kann jemand das Dao kennen? Durch das Herz.
Wie kann das Herz das Dao erkennen? Durch die Leere, die reine Aufmerksamkeit, die die Wesen und die Gelassenheit vereinen.
…
Die Kunst des Herzens besteht darin, zur Ruhe zu kommen und sich zu leeren. Einem ruhigen See gleichend, spiegelt und reflektiert sich die Wirklichkeit in ihm. Nicht mehr von Anziehung, Abneigung und der Welt der Zehntausend Wesen beeinflusst, meistert das Herz seine Emotionen und kehrt zu sich zurück.
…
In Ruhe und Gelassenheit, wohlwissend der Bewegungen des Lebens, ist das Herz zurückgezogen und kommuniziert doch mit dem Außen. Ein unablässiges Kommen und Gehen.
…
…und die Trauer wie die Freude, der Jubel wie die Wut existieren nicht dauerhaft in ihm, es sind reaktive Bewegungen auf die Anregungen der Dinge.
…
Für das Dao, im Sinnes des Wu wei (Nichthandeln), ist die Voraussetzung ein reines Herz. Es ist nicht im Mangel, weil es leer ist. Es ist leer, damit es klar ist. In der Aufmerksamkeit des Augenblicks.
Das leere Herz, Essenz aus Chinesischer Medizin & Buddhismus, von Thomas Reestorff
Wenn also eine Frau das nächste Mal sagt: „Komme aus dem Kopf und gehe ins Herz“ dann werden wir annehmen, dass sie eigentlich meint: „Gehe in dein leeres Herz und werde zu dem stillen See aus dem jede Kreativität und Intuition wächst.“ Das Denken und die Emotionen dürfen beide mit schwimmen gehen.
„Das Nicht-Herz ist das erleuchtete Herz, das Leere-Herz, das nirgendwo und nirgendwo-dran anhaftet. Solch ein Herz kann nicht in Beschlag genommen werden. Es läßt sich weder vom eigenen Ich noch vom Gegenüber einnehmen. Ein Herz, das sich vom Gegenüber oder dem eigenen erfahrenen Ich einnehmen läßt, ist ein Herz, das anhält.“
Aus Die Tradition des ZEN
Viel Spaß beim Meditieren und dem Erforschen des Leeren Herzens
wünscht euch
Samarpan
PS: Ein Internetportal für Freunde von Osho
Ein Sinn für Schönheit
Meditation verstärkt das Fühlen und Empfinden. Jemand, der regelmäßig meditiert, wird sensibler für den Körper und dessen Sinnesorgane. Das hat viele Auswirkungen – nicht nur angenehme! Manchmal kann schnelle Gereiztheit durch Lärm und Störungen entstehen, die so manchen Meditierer zur Qual für die Umgebung werden lassen. Nach und nach entsteht jedoch ein tieferes Verständnis für den neuen Zustand von Sensitivität. Die erhöhte Wahrnehmung bringt nämlich andererseits eine neue Welt an Wundern mit sich, die den Beobachter staunend verweilen lässt. Gerade jetzt im Frühling beginnen Blätter vor Lebensfreude zu tanzen, Blüten sich der Liebe zu öffnen und die Luft in heiteren Klängen zu schwingen.
Die erhöhte Sensitivität eines meditierenden Menschen drängt ihn oft dazu, seine Erfahrung und Wahrnehmungen auszudrücken. Es entsteht objektive Kunst, das ist Kunst, die nicht vom Denken abhängig ist und einen Hauch von Stille und Lebensfreude in sich trägt.
In dem heutigen Noseletter zeige ich ein paar Beispiele und Links zu Kunst dieser Art.
Der Künstler, der über sich staunt

Es ist eine, für das Denken unlösbare Aufgabe: Kunst zu erschaffen, die nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun hat. Bei der es kein Tun gibt und der Schaffende selbst über die Kreation staunt. Ein Beispiel für Kunst in diesem Sinne kommt von Shivananda einem Maler, der selbst von sich sagt: „Es fühlt sich so an, als ob ich mir selber über die Schulter schaue. Ja und wer malt?“
Im Zen dient die Kunst den drei Schätzen Buddha, Dharma, Shanga. (Bitte erspart mir, diese Weisheit zu übersetzen, ich habs versucht und bin gescheitert) Gregor Rinko Stehle ist ein Zen Mönch, der diese drei Prinzipien in seinen Buddha Statuen verwirklicht. Auf seiner Seite finden sich nicht nur wunderbare Kunstwerke der Stille in Stein, sondern auch eine Beschreibung, was objektive Kunst ist:
Die Kunst im Zen dient Buddha, indem sie ihm zu Ehren geschaffen wird
Sie dient dem Dharma, indem sie das Dharma beschreibt
Sie dient der Sangha, indem sie die Herzen verbindet
Form ist Inhalt, Inhalt ist Form
Form ist Form, Inhalt ist Inhalt
Die Welt ist ein Traum im Traum: die Kunst, die Welt, der Traum sind eins
Unverständlich fürs Denken, erfahrbar fürs Fühlen
Paul Shoju Schwerdt beschreibt den stillen Kampf und das Ringen um die Sichtbarmachung des Unmöglichen:
„lch zeige auf eine leere Flasche und weise auf die Leere, will sagen: “ Sieh die Leere!“ Die Resonanz des Betrachters ist jedoch zumeist: „Ja, da ist nichts drin.“ Er sieht nicht die Leere, sondern alleine “ das Fehlen von…“. Damit bin ich jedoch nicht zufrieden, da ich einerseits noch weit von meinem Buddha Sein entfernt bin, andererseits – wie die meisten Zen Leute – ein hartnäckiger Mensch bin. Diese kreative Frustration animiert mich zu einem Umweg: In die Leere setze ich einige wenige schlichte Elemente, anhand derer sich der Betrachter bzw.-. Zuhörer festhalten kann, die ihm jedoch ermöglichen, das, was zwischen diesen Elementen ist, anzunehmen. Beispiel hierfür ist ein Zen-Garten: eine weite, mit Kieseln ausgelegte Fläche, auf welcher vereinzelt Steinbrocken angeordnet sind. …“
Im Zen und in der Meditation gibt es keine Unterschiede zwischen Bedeutend und Unbedeutend. Alles ist gleich. Ein Bild erfährt die gleiche Aufmerksamkeit, wie zum Beispiel eine Wartebank für die Tee Zeremonie. Ein Garten wird mit großer Sorgfalt gestaltet, auch wenn es Jahre dazu benötigt, bis er fertig gestellt ist. (im Link gibt es eine Dokumentation über Jahre der Veränderung)
Das Leben der Sinne im Zen hat zu einer besonderen Art der Meditation geführt: Die Tee Zeremonie. „Der Urgrund des Teewegs ist die Stille. Des Teewegs Urgrund:
Wasser sieden lassen,
Tee zubereiten und
ihn mit aufrichtigem Herzen trinken -
nicht mehr!
Dies ist alles, was man wissen muss.
Die einfache Zubereitung einer Schale Tee, und sie in Dankbarkeit entgegenzunehmen, das ist die Grundlage eines Lebenswegs, den man chado, Teeweg, nennt. Wird eine Schale Tee im Einklang mit den Regeln der Teezeremonie angeboten, verbinden sich alle Aspekte von Religion, Moral, Ästhetik, Philosophie, Disziplin und sozialer Beziehungen zu einer einzigartigen kulturellen Synthese in hoher Vollendung.“ Auf dieser Seite sind die vielen kleinen Schritte des Tee Weges beschrieben. Alleine, die Texte zu lesen, berührt mich.
Die empfundene Sensitivität eines Menschen, der meditiert kann sich in vielerlei ausdrücken. Das Leben wird zur Kunst. Den Film von Doris Dörrie „How to Cook Your LIfe“ habt ihr ja vielleicht gesehen. Dort bringt ein Zen Priester seine Meditations Erfahrung ins Kochen. Musik, die versucht, Stille auszudrücken, gibt es viele. Hier soll nur ein Beispiel genannt werden, Tilopa, der auf einer Kyotaku Flöte spielt. Der Duft von Meditation wird durch besondere Räucherstäbchen zu erhalten gesucht. Und dann möchte ich doch nicht das Auge vergessen, die Fotografie. Auf dem folgenden Blog ist das Auge des Zen gegenwärtig.
Menschen, die meditieren, verschönern ihre Umgebung (und sich) alleine durch ihre Präsenz. Kunst ist, in dieser Präsenz zu sein.
Ein wundervolles Staunen im Frühling
wünscht euch
Samarpan
PS: Hier kann man lernen, sich in Stille aus zu drücken – beim Bambus Malen
Geduld! Abwarten und Tee trinken
Warten ist schwer auszuhalten. Nicht nur im Alltag, sondern gerade auch beim Meditieren. Da hört man von großen Dingen, die passieren, wenn man meditiert (ich denke nur an die Schläfenlappen der Nonnen aus Noseletter 9, deren niedrige Gehirn Frequenzen ein All-Eins-Gefühl produzierten) … und selbst sitzt man da und es passiert nichts. So denkt man. Stimmt aber gar nicht. Warten können ebnet den Weg.
Warten bis in alle Ewigkeit

Eine Zen Geschichte
Ein Schüler kommt zu einem Zen Meister und bittet ihn darum, ihm zur Wahrheit zu verhelfen. Dieser sagt: „Kannst du warten?“ Der Schüler fragt: „Wie lange?“ Darauf der Meister: „Verschwinde von hier.“
Aus dem Christentum
„Es ist überhaupt nicht notwendig, irgendwelche außergewöhnlichen Erfahrungen in der Meditation zu haben. Die können passieren, doch wenn sie es nicht tun, dann ist das kein Zeichen dafür, dass die Zeit der Meditation nutzlos war. Nicht nur am Anfang, sondern immer wieder wird es Zeiten geben, in denen wir eine große spirituelle Trockenheit und Abgestumpftsein spüren, oder eine Abneigung gegen das Meditieren haben, ja sogar nicht mehr dazu fähig sind, zu meditieren. Wir dürfen uns von diesen Erfahrungen nicht abhalten lassen. Vor allem dürfen wir uns nicht daran hindern, weiterhin unsere Meditationspraxis mit großer Geduld und Treue beizubehalten. Es ist nicht gut für uns, die vielen Erfahrungen, die wir mit uns in der Meditation haben, zu ernst zu nehmen.
Da nämlich kriecht die alte Eitelkeit und die Forderungen an die Göttlichkeit über den frömmischen Umweg in uns hinein. Als ob es unser Recht wäre, nur erhebende und fruchtbare Erfahrungen zu machen und die Entdeckung unserer inneren Armut unter unserer Würde wäre. Mit dieser Haltung werden wir keinen Fortschritt machen.
Dietrich Bonhöffer, Zitat von gaia.com
Nochmal Zen
Eines Tages erschütterte ein Erdbeben des ganzen Zen Tempel. Einige Teile fielen in sich zusammen. Viele der Mönche waren geschockt. Als das Erdbeben stoppte, sagte der Lehrer: „Jetzt hattet ihr also mal die Gelegenheit, wie ein Mann des Zens mit einer Krisensituation umgeht. Ihr werdet bemerkt haben, dass ich nicht in Panik war. Ich war total bewusst darüber, was passierte und was zu tun ist. Ich habe euch alle in die Küche geführt, der der stärkste Bereich des Tempels ist. Das war eine gute und richtige Entscheidung, denn wir haben alle ohne Verletzungen überlebt. Trotz meiner Selbstkontrolle und Zentriertheit fühlte ich mich ein wenig angespannt – was ihr wahrscheinlich daran gemerkt habt, dass ich ein großes Glas Wasser trank, etwas, was ich ja sonst nicht tue.
Einer der Mönche lachte, aber sagte nichts dazu.
„Worüber lachst du?“, fragte der Lehrer.
„Das war kein Wasser,“ antwortete der Mönch, „das war ein großes Glas Soja Sauce.“
(Geduld! Es dauert noch ein wenig, bis du ankommst. (So zehn oder zwanzig Leben) (Das nur als Ansporn!))
Aus dem Buddhismus
Das nächste Mal, wenn du im Straßen Verkehr stecken geblieben bist, kämpfe nicht damit. Es ist unnütz zu kämpfen. Wenn du dich zurücklehnst und dir selbst zulächelst, dann wirst du den gegenwärtigen Moment genießen und jeden im Auto glücklich machen. Der Buddha ist da, denn der Buddha kann immer im gegenwärtigen Moment gefunden werden. Meditation zu praktizieren bedeutet, zum gegenwärtigen Moment zurück zu kommen, um der Blume, dem blauen Himmel, dem Kind und der leuchtend roten Ampel zu begegnen.
Warten lernen mit der „Driving Meditation“ nach Thich Nhat Hanh
Viel Spaß beim Meditieren und beim Warten auf Nichts
wünscht euch
Samarpan
PS: Wenn du keine Lust mehr auf Warten hast, befrage doch mal die Karten …
Ein zeitgemäßes Haiku
Erst Schnee, dann Stille.
Dieser Tausend Dollar Bildschirm stirbt
So wunderschön.
Simon Firth
Die Antwort ist Nichts!
Meditation lässt sich nicht beschreiben. Nicht durch neurologische Untersuchungen des Gehirns, nicht durch das Aufzeichnen emotionalen Verhaltens oder der körperlichen Gesundheit des Meditierenden. Trotzdem versuche ich jede Woche in dem wöchentlichen Noseletter mich dem anzunähern, was nicht ausgedrückt werden kann.
Das ist, was in der Zen-Meditations-Praxis passiert. Der Meister stellt dem Schüler ein Koan, eine Frage, die nicht durch Denken beantwortet werden kann. Jeder weiß, es gibt keine Lösung für die Frage und doch lohnt es sich für den Schüler, ihr wirklich auf den Grund zu gehen. Wenn sich das Denken erschöpft hat kommt es zu einer echten Erfahrung und das ist die gesuchte Antwort.
Das Paradox, das die Wahrheit erklärt

Das Koan ist meist ein Paradox oder etwas unlogisches oder eine kleine Begebenheit, die zum Nachdenken anregen soll. Es kann auch als ein Rätsel verstanden werden. Koans können nie verstandesmäßig gelöst, sondern nur durch ein „Eintauchen“ erfahren werden. Keine Koans, und auch keine sonstigen Worte können die Erleuchtung reflektieren. Aber sie weisen ein Stück des Weges zur letzten Wahrheit und wenn man sich nicht zu sehr an diese Worte klammert, erreicht man diese Wahrheit auch.
Anfangs folgt man einem Koan noch logisch oder auf Verstandesebene. Das ist auch erst einmal nicht unbedingt schlecht. Es gibt Koans, bei denen sich der Verstand des Praktizierenden dabei selbst transzendieren kann. Andere sagen, dass man von Anfang an nicht mit dem Verstand eine Lösung probieren sollte, sondern sich ganz in das Koan „hineinversenken“, „rein-empfinden“, „in die Tiefe des Koans absteigen“ – wie man das auch gerne formulieren mag. Nach der Meditation muss man das Koan mit in den Alltag nehmen und es sich überall präsent halten. Irgendwann gibt es dann eine einschneidende Erkenntnis und man weiss die Lösung einfach!
Aus www.Zen.fuer-uns.de
Beispiele für Koans
Frage: „Hat ein Hund Buddha-Natur?“
Antwort: „MU!“
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Ein Mann kam zu Tao-hsin und sprach „Bitte hilf mir.“ Daraufhin Tao-hsin „Was fehlt dir?“ „Diese Frage ist zu schwierig. Bitte hilf mir.“ Tao-hsin erwiderte „Dir fehlt nichts.“ Enttäuscht verliess der Mann Tao-hsin. Was für ein schlechter Lehrer Tao-hsin war.
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„Das Auge, mit dem ich Gott erblicke, ist genau das gleiche Auge, mit dem Gott mich erblickt.“ „Zeige mir dieses Auge!“
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Ein Mönch fragte Tozan: ‘Was ist Buddha?’ Tozan antwortete: „Drei Pfund Flachs“
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Ein junger Mann trat vor Tao-hsin „Bitte gebt mir einen Fingerzeig.“ Tao-hsin hob die vor ihm liegende Tasse auf und fragte den Mann „Wer hat diese Tasse bewegt?“
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Ein Zen-Schüler geht zu einem Zen-Meister, um endlich das Geheimnis des Zen zu erfahren. Er trägt dem Meister, der ruhig in der Zazenhaltung auf dem Boden sitzt, sein Anliegen vor und bittet diesen um Unterweisung. Der Meister hört ihm zu und weist ihn an, sich ebenfalls in der Zazenhaltung neben ihn zu setzen. Nachdem der Schüler einige Minuten ruhig sitzend neben dem Meister wartet, fängt er an unruhig zu werden. Schließlich schaut er den Meister fragend an, worauf dieser sich zu ihm umdreht und sagt „Nichts wird mehr passieren. Das ist alles.“
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Tao-hsin sprach zu seinen Schülern „Was sieht ein Käfer, was fühlt er? Und ein Adler? Und ein Staubkorn?“
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Tao-hsin sprach zu seinen Schülern „Was weisst du sicher?“
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Ein Schuler trat vor Tao-hsin und sagte „Gestern traf mich ein Blitz und alles wurde klar. Leider verliert sich diese Klarheit. Bitte hilf mir!“ Tao-hsin erwiderte „Eine Sekunde nach der Geburt, eine Sekunde vor dem Tod. Was siehst du?“
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Frage: „Was passiert, wenn man meditiert?“
Antwort: „Nichts“
Viel Spaß beim Meditieren
wünscht euch
Samarpan
PS: Wer noch etwas tiefer ins Nichts tauchen möchte, dem empfehle ich hier rein zu schauen
Und zum Abschluss noch ein Zenscherz:
Wieviele Zen-Mönche braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
Zwei. Einen zum Wechseln und einen zum Nicht-Wechseln.
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