Archiv für den ‘stille’ Tag

Der Leere auf der Spur

Noseletter 60 – Was passiert, wenn man meditiert?

Meditation verändert die Wahrnehmung im Leben. Normalerweise schauen wir auf Formen und vergessen die Leere, die alles durchdringt. Im Folgenden der Versuch, Leere zu erfassen.

Alles durchdringende Leere

Noseletter-inhalt-liebe

Normalerweise richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf Formen, die Augen wandern von einer Form zur nächsten. Wenn man meditiert, bleibt die Aufmerksamkeit auf dem einen, der Leere, der Stille, die alles durchdringt.

Im Folgenden ein paar Formen, bei denen Leere besonders gut wahrzunehmen ist.

Was ist Leere?

Der leere Bambus
In manchen Traditionen wird Bewusstsein, Dharma, Nirvana, Tao, der Buddha oder wie man es auch immer nennen mag, mit der Leere eines hohlen Bambus oder einer Flöte verglichen. Der Meditierende ist die Flöte, durch die die Leere sein Lied spielt. Höre dieser Shakuhachi Flöte zu, hier wird Leere zu einem Ton.
Shakuhachi Flöten

Suche nach der eigenen Leere
Zen Mönche suchen ihre wahre Natur, die auch Natur des Universums ist. Sie suchen die Leere, die in ihrer eigenen Form ist.
Auf der Suche nach dem Geist des Zen

Koans, Fingerzeige zur Leere
Die Zen Tradition hat sich viele Wege ausgedacht, Leere sichtbar zu machen. Zum Beispiel in der Form von Worten, die auf das nicht Beschreibbare hinweisen.
Zen Quotes, Koans and Wise Sayings

Die Aufmerksamkeit auf der Leere halten
Im folgenden Link ist eine sich bewegende Form zu sehen. Schaue entspannt auf den kleinen Punkt in der Mitte und lasse die Aufmerksamkeit auf dem weißen Hintergrund. Nimm den leeren, weißen Inhalt wahr, anstelle der gelben, sich bewegenden Form.
A Theo Jansen´s mechanism

Leere in einem Wasserfall
Hier nimmt Leere die Form von Wasser an. Stille durchdringt das sich bewegende Wasser, wie auch die unbeweglichen Felsen, über das es fließt.
Havasupai Indian Waterfal

Geschlagene Leere
Sie hauen auf der Leere herum und bringen sie zum klingen. Hier wird Leere zu einer großen Schwingung…
KODO Trommler

Handeln mit Leere
Traditionelle Meditationspraktiken leiten dazu an, aus der Leere, der Stille zu handeln. Meditative Kampfkünste sind daraus entstanden, Qi Gong, Tai Chi und auch Kyudo, das ist meditatives Bogenschießen. Ein Satz aus dem folgenden Clip: Manchmal treffen wir ins Ziel, doch verpassen dabei das Selbst.
Kyudo oder Zen Archery
Und schließlich…

Auflösung ins Nichts

Wieder zurück zur Leere
Tibetische Mönche malen in Stille ein Sandmandala, eine Form, die die mysteriöse Leere widerspiegelt. In diesem Filmbeitrag wird die leere Form des Mandalas wieder aufgelöst. Die Form wird wieder zum Nichts. Die Materie wird wieder der Natur zurück gegeben, der Sand in einen Fluss zurückgeschüttet.
Auflösung eines tibetischen Sandmandalas

Viel Spaß beim Meditieren
und der endlosen Leere

Samarpan

PS: Weitere Sekunden Meditationen, die helfen, Leere auf die Spur zu kommen

Den aktuellen Noseletter hier bestellen

Spiritueller Kitsch und das leere Herz

„Der größte Teil dessen, was Menschen für Religion halten, ist entweder Machtpolitik oder spiritueller Kitsch“ sagt Wolf Schneider, Herausgeber der Zeitschrift Connection. Seine Thesen über Missverständnisse um Spiritualität haben mich interessiert. „Das Herz ist besser als der Kopf“ sei eines der Irrtümer in der Esoterikszene. Ich kenne die weibliche Variante, die dem Mann sagt: „Sei nicht im Kopf, gehe lieber ins Herz“. Gemeint ist damit, lieber zu fühlen als zu analysieren.

Obwohl früher selbst benutzt, beruht – meiner heutigen Meinung nach – dieser gut gemeinte Rat tatsächlich auf einem Missverständnis über das Herz. Im Zen gibt es den Begriff des „Leeren Herzens“. Das Herz wird zu einem stillen See, in dem Denken und Gefühle gleichermaßen versinken.

Missverständnis Herz

Tipps

„Typisch für die sich so gerne wertfrei gebende Szene“, meint Wolf Schneider, Herausgeber der Zeitschrift Connection, „ist die positive bis überschwängliche Bewertung des Herzens gegenüber dem Kopf. Das Hauptproblem ist dabei: Was ist mit dem Herzen eigentlich gemeint? Gewiss nicht der Muskel, der das Blut durch den Kreislauf pumpt, sondern viel eher der Sitz der Gefühle. In der einfachsten Fassung sagt dieses weitverbreitete Klischee: Gefühlsentscheidungen sind besser als Verstandesentscheidungen. Das ist in etwa auch die Aussage der Romantik gegenüber dem so vernunftbetonten 18. Jahrhundert.“

Wolf Schneider in „Wege“, Ausgabe 4/2007. Ein ähnlicher Artikel ist in seinem Editorial zu 10/2006 für die Connection zu lesen.
Das Leere Herz beherbergt Gefühle und Gedanken
Wolf Schneider bezieht sich auf die gängigen Missverständnisse ums Herz. Herzlich meint dort gefühlsbetont und emotional, ohne dabei wahr zu nehmen, dass Emotionen ebenfalls vom Denken gesteuert sind. Wenn im Zusammenhang von Meditation über das Herz gesprochen wird, so ist das leere Herz gemeint. Das bedeutet nicht, dass keine Gefühle oder Gedanken im Herzen sind. Im leeren Herzen hat alles Platz. Es ist der Urgrund für jede Form.

„Die Leere (des Herzens) darf nicht vergegenständlicht werden, sie ist nicht etwas Absolutes, vor allem nicht leerer Raum. … Manche Anhänger begnügten sich damit, im Zen-Sitz (za-zen) nichts anderes zu tun, als alle Gedanken und Gefühlsbewegungen abzulegen, nichts zu denken, und so in sich ein gedankliches Vakuum zu schaffen. Für Hui-neng ist dies nicht nur « unvernünftig », sondern « ketzerisch », eine schlimme Abweichung von der Wahrheit.“

Aus: Stille und Leere im Zen-Buddhismus von Carl-A. Keller

Das Herz – ein ruhiger, stiller See
Thomas Reestorff hat eine Abhandlung über das Leere Herz geschrieben. Er verbindet das Wissen der chinesischen Medizin mit dem Verständnis des Leeren Herzens im Buddhismus. Ein außerordenlich interessanter Artikel, so finde ich. Ich kann leider nicht auf alle Aspekte des leeren Herzens eingehen, die müsst ihr selbst nachlesen. (Es braucht ein wenig Geduld, sich in die Formulierungen einzulesen, doch dann ist es spannend) …

Ein paar Auszüge daraus:

Das Herz bildet die Grundlage, um sich dem leeren Raum zu öffnen und mit Aufnahmebereitschaft das Göttliche in uns eindringen zu lassen.

Wie kann jemand das Dao kennen? Durch das Herz.
Wie kann das Herz das Dao erkennen? Durch die Leere, die reine Aufmerksamkeit, die die Wesen und die Gelassenheit vereinen.

Die Kunst des Herzens besteht darin, zur Ruhe zu kommen und sich zu leeren. Einem ruhigen See gleichend, spiegelt und reflektiert sich die Wirklichkeit in ihm. Nicht mehr von Anziehung, Abneigung und der Welt der Zehntausend Wesen beeinflusst, meistert das Herz seine Emotionen und kehrt zu sich zurück.

In Ruhe und Gelassenheit, wohlwissend der Bewegungen des Lebens, ist das Herz zurückgezogen und kommuniziert doch mit dem Außen. Ein unablässiges Kommen und Gehen.

…und die Trauer wie die Freude, der Jubel wie die Wut existieren nicht dauerhaft in ihm, es sind reaktive Bewegungen auf die Anregungen der Dinge.

Für das Dao, im Sinnes des Wu wei (Nichthandeln), ist die Voraussetzung ein reines Herz. Es ist nicht im Mangel, weil es leer ist. Es ist leer, damit es klar ist. In der Aufmerksamkeit des Augenblicks.

Das leere Herz, Essenz aus Chinesischer Medizin & Buddhismus, von Thomas Reestorff


Wenn also eine Frau das nächste Mal sagt: „Komme aus dem Kopf und gehe ins Herz“ dann werden wir annehmen, dass sie eigentlich meint: „Gehe in dein leeres Herz und werde zu dem stillen See aus dem jede Kreativität und Intuition wächst.“ Das Denken und die Emotionen dürfen beide mit schwimmen gehen.

„Das Nicht-Herz ist das erleuchtete Herz, das Leere-Herz, das nirgendwo und nirgendwo-dran anhaftet. Solch ein Herz kann nicht in Beschlag genommen werden. Es läßt sich weder vom eigenen Ich noch vom Gegenüber einnehmen. Ein Herz, das sich vom Gegenüber oder dem eigenen erfahrenen Ich einnehmen läßt, ist ein Herz, das anhält.“

Aus Die Tradition des ZEN
Viel Spaß beim Meditieren und dem Erforschen des Leeren Herzens
wünscht euch

Samarpan
PS: Ein Internetportal für Freunde von Osho

Aktuellen Noseletter hier bestellen –->

Das Herz in der Meditation

Das Herz wird viel in der Liebe gepriesen, es hat jedoch eine noch viel größere Bedeutung für die Meditation. Im Herzen findet sich die Stille, der Frieden, die Göttlichkeit. Wer Meditation nicht wirklich vom Herzen liebt, der braucht sie nicht zu machen, denn ohne Herz ist Meditation keine Meditation. Das Herz bringt uns aus dem Denken. Vom Herzen aus kann man offen und unvoreingenommen wahrnehmen.

Mich hat die Wirkungsweise des Herzens interessiert. Auf meiner Suche durchs Internet bin ich bei den Sufis gelandet. Der Weg des Sufis (einer rebellischen Weiterentwicklung des Islams) geht seit jeher durchs Herz.

Das Herz als Tür zur Göttlichkeit

Tipps

Die Mysterien der Liebe, die Wissenschaft vom Herzen, wurden über die Jahrhunderte durch die esoterischen Lehren verschiedener mystischer Traditionen vermittelt. Besonders der Sufismus hat eingehende Studien zum Menschenherzen und dessen spiritueller Natur betrieben. Deren Schwerpunkt lag darauf, in wie weit die einzelnen spirituellen Organe innerhalb des Herzens den Reisenden transformieren und erwecken und so zu einem umfassenderen spirituellen Gewahrsein führen, einem tieferen Eintauchen in das göttliche Licht der Einswerdung. Wanderer auf dem Sufi-Pfad haben die Reise in die inneren Welten kartographiert, indem sie aufzeigen, wie das Erwecken der spirituellen Zentren des Herzens das Bewusstsein des Suchers erweitert. Sie beschreiben, wie schließlich in der innersten Kammer — dem Herz der Herzen — der Liebende mit dem Göttlichen verschmilzt und so die mystische Reise von der Trennung zur Einheit vollendet. …
Die Sonne des Lichts ist im Herzen aufgegangen.
Sie scheint, und es gibt keinen Untergang.

Al-Hakîm at-Tirmidhî
Und es gibt auch eine andere Dimension der Wissenschaft des Herzens, die bisher geheim gehalten worden ist. Dabei geht es darum, wie das Herz des Einzelnen spirituell mit der Gesamtheit des Lebens interagieren kann. Indem wir in eine neue Ära des Bewusstseins eintreten, werden diese Geheimnisse für unsere wachsende Erkenntnis zugänglich, und uns erschließt sich spezifisches Wissen darüber, in welcher Beziehung der Einzelne zum Ganzen steht und wie das Innere und das Äußere zusammenhängen. Im Herzen sind all die unterschiedlichen Ebenen der Wirklichkeit miteinander verbunden; das Innere fließt direkt ins Äußere. …..

Genaueres nachzulesen bei „Das Licht im Herzen“ von Llewellyn Vaughan-Lee

Es gibt viel über das Herz zu berichten, doch für heute will ich mich mit dem Hinweis auf obigen Artikel begnügen. „Das Leere Herz“ im Zen wird ganz bestimmt noch Thema eines neuen Noseletters werden.
Viel Spaß beim Meditieren und das Herz genießen
wünscht euch

Samarpan
PS: Wenn dein Name eine besondere Bedeutung für dich hat, dann ist das hier vielleicht das Richtige für dich
PPS: Wir haben gerade ein neues Netzwerk für Tibetan Pulsing eingerichtet…

Aktuellen Noseletter hier bestellen –->

Die richtige Körperhaltung beim Meditieren

Osho hat der Haltung während des Still Sitzens – meines Wissens nach – keine große Bedeutung gegeben. Aufrecht sollte man sitzen, doch wie genau, das bleibt dem Gefühl des Individuums überlassen. Hauptsache der Körper ist entspannt, locker und empfänglich.

Als ich die folgende Beschreibung des französischen Zen Meisters Roland Rech las, war ich beeindruckt, wie sehr der Körper im traditionellen Zen auf Stille vorbereitet wird. Der Haltung wird große Bedeutung beigemessen. Ein Auszug aus einer sehr langen und interessanten Anleitung.

*Anmerkung: Zazen ist eine stille Technik, bei der der Meditierende mit offenen Augen sitzt.*

Der Körper bleibt sanft und geschmeidig im Gleichgewicht

Tipps

Konzentriert euch ab Beginn des Zazen gut auf eure Haltung. Neigt das Becken nach vorne und drückt mit den Knien auf den Boden. Wenn man das Becken nach vorne neigt, ist es wichtig, das Gleichgewicht zu finden. Wenn man ein Hohlkreuz macht, wird die Atmung abgeschnitten. Wenn man nicht weit genug nach vorne geneigt ist, kann man nicht die Energie in den Unterleib hinabsteigen lassen. Es ist wichtig, dies zu beobachten und die richtige Beckenneigung zu finden.

Man muss so auf dem Zafu (Sitzkissen) sitzen als wolle man, dass der After das Zafu nicht berührt. So übt man auf das Zafu einen Druck aus mit einem Punkt, der sich im Zentrum des Dammes befindet und eine Energiequelle ist. Man entspannt den Bauch und lässt das Körpergewicht auf das Zafu drücken. Es ist wichtig, sich gut verwurzelt zu fühlen.

Ausgehend von dieser Grundlage streckt man die Wirbelsäule, von der Taille, vom fünften Lendenwirbel aus. Man entspannt alle Verspannungen des Rückens, des Nackens. Man streckt die Wirbelsäule bis hinauf zur Schädeldecke, so als wolle man mit der Schädeldecke in den Himmel stoßen. Das Kinn ist zurückgezogen, die Schultern sind entspannt. Man muss eine starke Energie in der Nierengegend spüren und darf die Haltung nicht weich werden lassen. Man spürt eine starke Energie im Nacken.

Aber die Haltung darf nie starr, rigide werden; sie bleibt sanft, geschmeidig. Das Gleichgewicht zu finden ist wie eine Gitarre stimmen: Man muss es immer wieder machen, aber nicht pausenlos.

Beim Zazen gibt es also eine Zeit, in der man seine Haltung korrigiert, und eine Zeit, in der man sich in die Haltung hinein gibt, in der man sich von der Haltung leiten lässt. Man darf kein willensgesteuertes Zazen praktizieren. Zazen ist gleichzeitig Konzentration und Loslasssen. Wenn man völlig konzentriert ist, kann man sich völlig vergessen und sogar die Konzentration aufgeben. Der willensgesteuerte Geist der Konzentration wird aufgegeben.

Der Kiefer ist entspannt, die Zunge liegt am Gaumen, der geschlossene Mund spricht nicht. Man betrachtet seinen inneren Dialog, aber nährt ihn nicht. Man kehrt zur geistigen Stille zurück.

Die linke Hand liegt in der rechten, die Daumen sind waagerecht, die Handkanten in Berührung mit dem Unterleib. In Zazen machen die Hände nichts, ergreifen nichts. Das beeinflusst den Geist, der selbst ebenfalls nichts macht und nichts ergreift. Man konzentriert sich einfach auf die Berührung der waagerechten Daumen, auf den sanften Daumenkontakt.

Wenn man seine Aufmerksamkeit auf diesen Daumenkontakt richtet, kann man aufhören, mit seinem Vorderhirn zu denken, aufhören Gedanken zu produzieren. Man kann mit seinem ganzen Körper völlig gegenwärtig sein, völlig hier und jetzt, in Einheit mit seiner Praxis. Mit dem ganzen Körper denken, nicht nur mit seinem Kopf.

Atmet tief ein und aus, ohne mit vollen oder leeren Lungen zu verweilen. Die Atmung wird fließend und beeinflusst das Bewusstsein, das auf nichts verweilt. So kann man am Ende jeder Ausatmung zum Nullpunkt des Nicht-Denkens zurückkehren, all seine Sorgen loslassen und einen freien, verfügbaren Geist wieder finden. Augenblick für Augenblick. Und dies im Alltag fortsetzen. Das ist die wesentliche Praxis des Sesshin.

Wenn man sich nicht bemüht, seine Atmung mit dem Willen zu kontrollieren, entspannen sich Körper und Geist, und die Atmung wird auf natürliche Weise fließend. Der Geist, der misst und vergleicht, ist aufgegeben. Es ist einfach ein Körper, der atmet, in Einheit mit dem ganzen Kosmos. Kein Ego, niemand, der atmet. Atmet mit dem ganzen Körper, nicht nur mit dem oberen Lungenteil, nicht nur mit dem persönlichen Willen. Schließlich gibt man sich der Atmung hin.

Nachzulesen bei Roland Rech: Kommentare zum Parinirvana Sutra


Viel Spaß beim Meditieren und Experimentieren

wünscht euch

Samarpan

PS: Der Tipp der Woche ist besonders interessant für Frauen, die ihre Wut unterdrücken…

Aktuellen Noseletter hier bestellen –>