Archiv für den ‘ego’ Tag

Man fühlt sich (zunächst) klüger als der Rest der Welt

Noseletter 42 – Was passiert, wenn man meditiert?

Es ist ganz natürlich und mir ist es auch passiert: Sobald Meditation ein wenig tiefer geht, beginnt der Meditierende den Meister und die gehörte Weisheit zu imitieren und die Welt zu missionieren. Manchmal zum Leidwesen der Umgebung, die sich fragt, was wohl in denjenigen gefahren ist?

Man kann es auch „Spirituelles Ego“ nennen, etwas, was wohl jeder, der meditiert, kennt. Ein meditierender Mensch ist zunächst so von der neuen Erfahrung erfüllt, dass er beginnt, die Quelle der Weisheit zu imitieren. Natürlich ist es nicht seine eigene Weisheit, doch das wird zunächst nicht erkannt. Der Weg zum Sein dauert an…

Die Ausprägungen des spirituellen Egos sind unterschiedlich, je nach Schläue des Verstandes. Der eine nervt einfach nur seine Umgebung mit seinen Erkenntnissen. Der andere missioniert in größerem Rahmen oder wird Guru. Meist ist das spirituelle Ego kilometerweit zu erkennen, die Spirituellen sind ein wenig heiliger, ein wenig abgehobener, ein wenig demütiger oder auch verrückter …. als der Rest der Menschheit. Jedes Ego findet seinen eigenen Weg, in verstecktem Gewand das alte Spiel von „Ich bin besser als du“ weiter zu treiben.

Das spirituelle Ego eines falschen Gurus
Es gibt einen Menschen mit Namen Cuckoo (bedeutet „verrückt“ auf Englisch), der in seinem Büchlein „Awakening to the Reality of Enlightenment“ über die Guru-Ego-Falle schreibt.

„Ein falscher Guru wird ständig darüber reden, was gut und richtig ist, was schlecht und falsch ist. Zum Beispiel: Es ist gut und richtig in der Meditation still zu sein. Es ist richtig und spirituell, ein Vegetarier zu sein, u.s.w. …

Eine Person ohne wirklichem Verstehen wird immer in irgendeiner Weise von gut und schlecht, von richtig und falsch, hoch und niedrig, heilig und unheilig sprechen. Er wird mit Worten und seiner Sprache argumentieren und dadurch seine Beredsamkeit und sein Wissen beweisen. Er ist genau wie du. Der einzige Unterschied ist, dass er sich traut, eine Geschichte zu erfinden, um sich selbst und dich zu beschwindeln.“

Mehr über Cuckoo


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Wie groß ist dein Potenzial für einen Guru?


• Fühlst du dich ein wenig besser als der Rest der Welt?

• Hilfst du gerne Leuten aus ihren Sorgen (mit Worten)?

• Genießt du die Aufmerksamkeit von anderen Menschen
(besonders der jungen, blonden, reichen, intellektuellen…)?

• Denkst du, etwas geben zu können?

• Sind deine Freunde eher Schüler als Freunde?

• Meinst du, die Welt braucht dich?

• Bewunderst du insgeheim deine Klarheit und Vision?

• Nervt es dich echt, wenn dich jemand in Frage stellt?

• Hast du das Gefühl: Ich hab’s kapiert!?
Wenn du alle Fragen mit „Jaaa“ beantworten kannst, dann gratuliere! Du hast das Zeug zu einem echten, falschen Guru!
Bemerkung
Das spirituelle Ego ist nur eine weitere Herausforderung auf dem Weg der Meditation. Wir leben mit unserem Ego, ob es nun spirituell ist oder nicht. Wie sonst auch in der Meditation geht es nur darum, wahrzunehmen…

Dann noch viel Spaß mit dem Wissen,
besser als der Rest der Welt zu sein

Samarpan
PS: Ganz unesoterisch und sehr heilsam – Ergotherapie mit Pois
PPS: Eine tibetische Technik, die Wahrnehmung zu verfeinern


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Meditation ist kein Trostpflästerchen

Noseletter 33

Als ich zu meditieren begann, war mein Leben ein einziges Chaos, nichts schien am richtigen Platz zu sein – weder die Beziehung, noch die Arbeit, noch die Wohnung und am allerwenigsten ich selbst. „Ein bisschen Entspannung wird mir gut tun,“ dachte ich und begann die aktiven Osho Meditationen zu machen. Als sportliche Herausforderung sozusagen. Ich hatte keine Hoffnung damals, wirklich etwas in meinem Leben zu verändern. Die Probleme waren zu viele und noch dazu erschienen sie „Gott-gegeben“, was bedeutet, ausweglos. Ich suchte nach einem Trostpflästerchen und dachte, Meditation könnte mir etwas vom Druck im Magen abnehmen. Es kam anders, der Druck vergrößerte sich. Meditation ist kein Trostpflästerchen, Meditation bewirkt die totale Veränderung.

Der kauernde Tiger mit dem gefährlichen Drachen in sich

Tipps

Vielleicht kennt ihr den taiwanisch-chinesischen Film „Crouching Tiger, Hidden Dragon“? Der Titel wurde nach einem chinesischen Sprichwort gewählt, das besagt, ein kauernder Tiger könne einen verborgenen Drachen in sich tragen. Etwas scheinbar Harmloses (der kauernde Tiger) könne tiefe Gefahren in sich bergen; der Drache ist hierbei das Symbol für Gefahr.

Meditation ist ein gefährlicher Drache. Er kommt harmlos daher: In der Meditation schüttelt man sich ein wenig, tanzt oder hört seinem Atem mit ganzer Aufmerksamkeit zu — na und? Was soll da schon groß passieren? Ha! Der kauernde Tiger trägt den gefährlichen Drachen der Wachsamkeit in sich. Dieser verändert alles.

In meinem Fall wurde ich mit dem Praktizieren der aktiven Methoden zunächst einfach nur ein wenig lebendiger. Der Körper wollte sich wieder mehr bewegen und ich begann, sensibler für meine körperlichen Empfindungen zu werden. Von wegen Entspannung durch Meditation! Die ständige Angespanntheit meines Lebens nahm zu, denn noch viel stärker als früher war sie mir nun bewusst. Sie wurde unerträglich. Der gefährliche Drache in mir ließ keine Beschönigungen mehr zu, zeigte mir Feigheit als Feigheit und Verzweiflung als Verzweiflung. Eines Tages war der Druck so stark, dass ich einen ersten klitzekleinen Schritt wagte. Ein kleiner Schritt, der der Beginn eines neuen Lebens wurde. Der Drache hatte zugeschlagen.
Jede Meditationspraxis führt zu grundlegender Veränderung im Leben, es ist nur eine Frage der Zeit. Jede Meditationstechnik zielt letztendlich darauf hin, das Ich Gefühl, auch Ego genannt, loszulassen und mit ihm alle Konflikte. Das Praktizieren von Wachsamkeit nährt den gefährlichen Drachen, der den grauen, stressigen Alltag knallhart als das wahrnimmt, was er ist: unmenschlich.

Stille Meditationstechniken benötigen meiner Erfahrung nach, eine längere Zeit, den Drachen zu erwecken. Mit aktiven Meditationstechniken dagegen lösen sich die dicke Schicht an Vorstellungen, wie die Dinge zu sein haben, und die „Gott-gegebenen“ Glaubenssysteme relativ schnell auf. Außerdem wird der Körper stärker und mit ihm wächst die Kraft, Veränderungen zu wagen.
Beispielhaftes Feedback von Praktizierenden der OSHO Dynamischen Meditation.


Wenn also heutzutage Meditation als ideale Entspannungsübung angepriesen wird, dann ist das eine gefährliche Sache. Regelmäßig praktiziert, werden neue Kräfte frei, die nach Veränderung rufen. Die glücklichen Manager-Gesichter in der Werbung, die neben ihrem Laptop meditieren, werden vielleicht ein paar Monate später den Job hinschmeißen oder eine wirkliche Veränderung im Unternehmenssystem fordern. Wenn jemand nicht bereit ist, dem Ruf des Drachens zu folgen, dann sollte er lieber die Finger von Meditation lassen: Dann doch lieber ins Fitness Studio gehen oder Joggen…

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Und, die Umkehrung stimmt auch: Ohne Veränderung des Lebens zu mehr Freude und tiefer Zufriedenheit wird sich der Drache nicht entfalten. Ein Zitat von Osho „Wird Meditation mir helfen, glücklich zu sein?“


So wünsche ich euch heute mal
viel Spaß mit dem gefährlichen Drachen!

Samarpan
PS: Was ein Drachen so alles bewirkt, zum Beispiel Hüter der Erde ….

PPS: Falls jemand Lust auf Drachen hat – Meditationsseminare mit Samarpan

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Wunschlos glücklich

Vor kurzem habe ich mir den so erfolgreichen Film „The Secret“ angesehen und war wieder einmal überrascht, wie gerne wir Menschen doch Dinge mögen, die unser Ego bestärken. In dem Film „The Secret“ geht es um das Gesetz der Anziehung: „Was immer ich denke, manifestiert sich“, das ist das Geheimnis des Films. Alles ist möglich, und das nicht nur bei Toyota. Du bist krank? Da wirst du wohl falsche Gedanken haben. Du fährst keinen Mercedes und deine Beziehung könnte glücklicher sein? Kein Problem – denke dir deine Wünsche herbei. Die Existenz ist ein großes Shopping Center, das wie der Weihnachtsmann alles für dich bereit hält.

Meditation ist genau das Gegenteil. In Meditation lassen wir die Dinge wie sie sind. Ohne auszuwählen, ohne zu bewerten. Die Aufmerksamkeit ist nicht darauf gerichtet, was für Wünsche ich mir noch erfüllen könnte, sondern darauf, was ist. Die Auflösung des Subjekts (Ich) und des Objekts (das, was ich wahrnehme), das ist Meditation.

Kein Mercedes? Okay. Neid auf Leute, die es sich einfach machen im Leben? Okay, diese Emotion wird wahrgenommen. Anders als im Film „The Secret“ mit dem sogenannten Geheimnis von „Wie bekomme ich das, was ich will“, richtet man in der Meditation seine Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung selbst: Das, was ich wirklich bin und das ist jenseits vom Denken, von Gefühlen oder dem Körper (und großen Autos).

Die Lust des Egos, sich zu vergrößern

Tipps

Würde C.G. Jung noch leben, würde er den Film „The Secret“ für einen Rückfall in ein mittelalterliches magisch-kausales Denken halten. Auf ein Ereignis – dem Denken – folgt ein anderes, die Materialisation des Wunsches. Seit jeher suchen die Menschen danach, die Kontrolle über Leben und Sterben zu übernehmen, sich allmächtig zu fühlen. Das ist heute nicht anders als im Mittelalter. Mit Sätzen aus dem Film wie „Du wirst das, worüber du am meisten nachdenkst“, „Du bist das Meisterstück deines Lebens“ oder „Alles kann dir gehören“ fühlt sich das ICH stark. In der Meditation löst sich das Ich auf, es ist die genau gegensätzliche Suche.

Eine Geschichte

Eine Gruppe von Leuten, die mit dem „Geheimnis“ arbeiteten, trafen sich regelmäßig, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Ein Mann fehlte seit Wochen. Eines Tages sah der Vorsitzende des Clubs den Sohn des Mannes auf der Straße: „Junge, was ist mit deinem Vater? Er hat sich seit Wochen nicht bei uns blicken lassen.“ Der junge Mann sagte: „Er ist krank.“ Der Vorsitzende lachte. „Er wird das nie verstehen. Er ist nicht krank, er denkt nur, dass er krank ist. Die Krankheit sitzt in seinem Kopf. Gehe zu ihm, erzähle ihm das und sage ihm schöne Grüße von mir.“ Doch weiterhin kam der Mann nicht zu den Treffen. Und wieder passierte es, dass der Vorsitzende auf den Jungen traf. „Was ist los mit deinem Vater? Hast du ihm nicht die Nachricht von mir überbracht?“ „Doch“, antwortete der Junge, „ich habe es ihm gesagt.“ „Warum kommt er dann nicht zu den Meetings?“ Der junge Mann sagte: „Jetzt denkt er, dass er tot ist. Seit Tagen sagen wir zu ihm „Paps, das ist alles nur deine Einbildung,“ doch er hört nicht zu.“

Meditation bedeutet, nicht zu wählen
(Nicht einmal das Nicht Wählen)

Aus einer buddhistischen Schrift: „Der Buddha Verstand ist rein und klar, frei von der Existenz und von der Nicht-Existenz. Wenn der Körper und der Verstand nicht auftauchen, dann lässt sich dadurch dauerhafte Wachsamkeit über den wahren Geist erlangen.“

Der Versuch einer Übersetzung: Ein meditierender Mensch wählt nicht. Er lässt die Dinge so, wie sie sind. An sich und den anderen. Er lebt ein natürliches, authentisches Leben. Ist ein Freund gestorben, dann ist er traurig. Ist er mit einem geliebten Menschen, dann ist er glücklich. Ein meditierender Mensch lässt sich so sein, wie er ist. Wenn er wählen möchte und etwas lieber hat, als das andere, dann ist das so. Wenn er lieber passiv bleibt oder gerne aktiv ist, dann ist das so. Der meditierende Mensch lebt widerstandslos und ohne Wunsch, sich oder die Dinge zu verändern. Sogar Widerstand wird widerstandslos akzeptiert. So lebt der meditierende Mensch ein harmonisches Leben mit dem, was ist. Durch dieses Verhalten löst sich das Gefühl von Ich, das alles unter Kontrolle haben möchte, auf.

Bitte verzeiht mir, wenn ich nur nacherzählen kann. Mir fehlt die Tiefe der Erfahrung. Eine Erfahrung habe ich jedoch in meinem Leben gemacht, die ich dem „Secret“ entgegensetzen möchte. Das, was wir uns an Dingen, an Beziehungen oder Erfahrungen wünschen können, ist ein läppischer Bruchteil von dem, was passiert, wenn man meditiert.

Meditation erfüllt keine Wünsche, doch viel mehr.
Viel Spaß beim Meditieren und Nicht Wählen
wünscht euch

Samarpan

PS: Ein kulturell kreativer Platz an dem „Nicht Wählen“ in der Meditation praktiziert wird

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