Archiv für November 2008|Monatliche Archivseite
Versagen bringt Erkennen
Noseletter 56 – Wie meditiere ich ‘richtig’?
Hast du manchmal Zweifel, ob du ‘richtig’ meditierst? Tauchen Glücksgefühle oder Momente von All-Eins-Sein nur selten auf und hast du das Gefühl, als ob in der Meditation nicht wirklich etwas passiert? Sieht es so aus, als ob keine Meditationstechnik ‘richtig’ passt und der Satz: „Meditation ist nichts für mich“ immer stärker wird?
Eine gute Nachricht für dich: Du bist genau auf dem richtigen Weg.
Scheitern und Hingabe
Morgens versuche ich, meinen Atem zu beobachten. Ich sage, „versuche“, denn länger als eine oder zwei Minuten nehme ich ihn nicht wahr. Dann regieren wieder Träume und Gedanken. In der OSHO Dynamischen Meditation fällt es mir in der stillen Phase schwer, die Arme oben zu lassen und Glückseligkeit widerfährt mir selten beim Meditieren. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Meditation ist nichts für mich, denn ich habe heute nicht mehr den ‘Erfolg’ mit den Meditationstechniken wie früher. Eine nahezu undurchdringliche Wand hält mich fest und das ist frustrierend.
„Versagen ist die Grundlage für Erfolg und im Erfolg lauert das Versagen.“
Lao Tzu
Versagen soll der Weg zum Erfolg sein? Soll das heißen, ‘richtig meditieren’ bedeutet, in der Meditation zu scheitern? Genau.
Koan Praxis – der Weg in die Frustration
Wann immer das Gefühl auftaucht, nichts zu wissen, nichts zu können, nichts ‘richtig’ zu machen, keine Vision zu haben, nicht mit den anderen mithalten zu können, keine Meditationstechnik wirklich zu beherrschen und andere unterhaltsame Gedanken, dann mag es hilfreich sein, sich eines Koans zu erinnern.
Ein Mann fragte Tao-hsin „Ist Geld und Besitz erstrebenswert?“
Tao-hsin antwortete „Einigen gehört die ganze Welt, anderen nur ein Teil davon.“
Koans von Tao-hsin
Was ist ein Koan? Es ist die Absicht, den Meditierenden in tiefe Frustration zu führen. Ein Koan hat keine Lösung, die das „Ich“ erdenken könnten und doch gibt es eine. Beispiel für die Aufklärung eines Koans.
Alle Meditationstechniken sind zum Scheitern verurteilt, denn Meditation ist nicht etwas, was man tun kann. Meditation, Bewusstsein, die wahre Natur, Tao, Dhamma, Nirvana, Erleuchtung, der innere Buddha… wie man den Zustand der Meditation auch benennen mag, er besteht schon jetzt, in diesem Moment und es geht nur darum, ihn zu erkennen.
Buddha, Bankei und Jesus
Äußerstes, tiefes Gefühl von Versagen, von Scheitern in der Suche, das Gefühl von komplettem Misslingem, was den eigenen Weg anbelangt, haben drei Menschen zu den höchsten Höhen gebracht. Diese drei, Buddha, Bankei und Jesus, sind nur prominente Beispiele, es gibt unzählige andere Menschen, denen es genauso ging und gehen wird. Vielleicht auch dir und mir?
Buddha ging den Weg „exzessiver Askese und Selbstkasteiung, zuerst unter Anleitung von Meistern, dann alleine. Dieser Weg war gleichzeitig eine Flucht vor zu intensiven Gefühlsregungen. Alles, was er gern haben und was in ihm ein Verlangen provozieren könnte, vermied er ängstlich: Menschen, Nahrung, Bequemlichkeiten. In diesem Stadium hinderte Gautamas Ambition und sein intensives Streben nach dem Rechten ihn geradezu daran, das Gesuchte zu finden.
Nach sieben Jahren Askese war er erschöpft, ausgelaugt, unruhig und enttäuscht. Er war ans Ende seiner physischen und moralischen Möglichkeiten gekommen; es ging nichts mehr. Er blieb nun – so scheint es – nicht bei der Erfahrung absoluter existenzieller Leere stehen, sondern indem er alles losließ, worum es ihm bisher gegangen war – die Befreiung vom Leiden -, öffnete er sich für das Neue in seinem Leben, und erreichte genau das: die Befreiung vom Leiden.“
Buddhas Weg zur Erleuchtung
Bankei, ein japanischer Zenmeister, suchte bereits als Kind nach Antworten auf die grundlegenden Fragen des Lebens. Da ihm die Lehrer seiner Schule hierbei nicht helfen konnten, verließ er mit elf Jahren die Familie um sich auf die Suche nach Antworten bei verschiedenen buddhistischen Lehrern zu machen. Zeitweise in Obdachlosigkeit lebend meditierte er exzessiv. Schließlich erkrankte er an Schwindsucht. Dem Tode nahe, im Alter von 23 Jahren, erlebte er in einem geistigen Durchbruch die Erleuchtung.
„Das Ungeborene ist nicht etwas, das durch Disziplin erreicht oder erlangt wird. Es ist nicht eine Beschaffenheit des Geistes oder religiöse Ekstase; es ist, dort wo du stehst, makellos so, wie es ist. Alles was du tun musst, um es zu erkennen ist, du selbst sein, genau wie du bist; zu tun, genau was du tust, ohne Kommentar, Befangenheit oder Urteil.“
Bankei Eitaku auf Wikipedia
Jesus hatte ebenfalls einen alles andere als leichten Weg. Sein Leiden ist sprichwörtlich. All die Suche nach Göttlichkeit, um dann am Kreuz zu hängen? Kein Wunder, dass er in dieser schmerzhaften Situation zutiefst verzweifelt und am Zweifeln war. In absoluter Hilflosigkeit passierte dann die Verwandlung, seine absolute Hingabe an das, was ist: „Dein Wille geschehe!“
Das Wunder der Hilflosigkeit
Die ganze Meditationspraxis, alles meditieren dient nur dem einen Zweck: der Aufgabe von dem, was nicht wirklich ist. Der Aufgabe von Konzepten, Ideen, Vorstellungen, Zielen, Konditionierungen… die Liste könnte lange fortgeführt werden. In Kurzform wird das, was nicht ist, „Ego“ genannt. Durch Meditationstechniken wird das Ego so erschüttert, dass nur noch hilflose, ergebene Hingabe übrig bleibt. Das ist der Zeitpunkt des Erkennens.
Nick Vujicic, ein junger Mann ohne Arme und Beine, erzählt von seiner Hoffnungslosigkeit als er 8 Jahre alt war. Das Leben erschien ihm sinnlos. Er war am Tiefstpunkt seines schwierigen Lebens. Die Verwandlung passierte und heute ist er weltbekannt für seine herzliche, unerschütterliche, motivierende Art. Ein sehenswerter Videoclip:
Nick Vujicic, Life without limbs
Und schließlich noch ein paar lustige Beispiele von Leuten, die noch lange nicht am tiefsten Grund angelangt sind….
Ein ziemlich schlechter Tag im Büro
Scheitern, Versagen, Misserfolg beim Meditieren (und auch sonst) sind nicht das, was sie scheinen. Sie sind der Beginn eines Quantensprungs in die Wirklichkeit, der Sprung aus alten Vorstellungen hin zu dem, was immer ist: Bewusstsein.
Alles Liebe auf dem Weg ins Hier
wünscht
Samarpan
PS: Der krumme geradlinige Weg
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Man bemuttert eigene Erkenntnisse
Noseletter 55 – Was passiert, wenn man meditiert?
Als ich zu meditieren begann, machte ich eine für mich damals unglaubliche Erfahrung: Mein normal graues, festgefahrenes Leben begann, farbig zu werden! Der Schwung, den Veränderung, die Befreiung vom Alten hervorbringt, ist eine große Kraft, wie man bei den Präsidentschaftswahlen in Amerika erleben konnte.
„Bemuttere deine wahren Erkenntnisse“ ist eine Meditationstechnik aus dem Buch der Geheimnisse, für Menschen, die ihre alten Konditionierungen und Vorstellungen gehen lassen wollen.
Wirkliche Einsichten nähren
So wie eine Henne ihre Küken bemuttert,
so bemuttere auch du gewisse Erkenntnisse
und ganz bestimmte Handlungen in der Wirklichkeit
Der Schlüssel in diesem Sutra sind die Worte ‘in der Wirklichkeit’. Du bemutterst ebenfalls viele Dinge, aber in deinen Träumen – nicht in der Wirklichkeit. Du tust ebenfalls viele Dinge, aber im Traum – nicht in der Wirklichkeit. Nähre keine Träume. Unterstütze es nicht, dass sich der Traumzustand in dir weiter ausdehnt. Ziehe dich von allen Träumen zurück. Es wird nicht leicht sein, denn du hast so viel in deine Träumereien investiert. Wenn du dich plötzlich völlig davon zurückziehst, dann wirst du das Gefühl haben, unterzugehen und zu sterben. Du lebst in dem Traum von „später“ und „dann“… Du lebst nicht hier und jetzt, du bist immer irgendwo anders. Du folgst der Hoffnung.
„Bemuttere gewisse Erkenntnisse.“
Warum gewisse Erkenntnisse? Du bemutterst auch Einsichten, doch was für welche? Du bemutterst bestimmte Theorien, keine Erkenntnisse. Bestimmte heilige Schriften, keine Erkenntnisse von dir selbst. Bestimmte Hypothesen, Glaubenssysteme, Philosophien, Weltanschauungen… aber keine gewissen Erkenntnisse von dir selbst. Das Sutra fordert: Wirf alles, was nicht von dir kommt, auf den Müll. Heilige Schriften, Theorien, das alles bringt nichts. Mache deine eigenen, echten Erfahrungen, deine eigenen Erkenntnisse und nähre sie. Wie trivial das eigene Verstehen auch immer sein mag, eine wirkliche Erkenntnis ist etwas, auf das du dein Leben aufbauen kannst. Die Einsichten mögen sein, was sie wollen, achte nur immer darauf, dass es wirkliche, konkrete Erkenntnisse sind, Dinge, die du selbst erkannt hast.
Osho, aus dem Buch der Geheimnisse
Verwandte Artikel
Liebe etwas Großartiges
Durch Meditation die eigene Richtung finden
Disziplin bedeutet dazu lernen wollen
Viel Spaß beim Ausprobieren und Bemuttern
wünscht
Samarpan
PS: Meditationen wie diese Meditationstechnik aus dem Buch der Geheimnisse werden regelmäßig im Osho International Meditation Resort ausprobiert
PPS: Die Stille in der Veränderung
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Forschergeist
Noseletter 54 – Was passiert, wenn man meditiert?
Eines der Merkmale von meditierenden Menschen ist, dass sie sich wesentliche Fragen stellen. Fragen, die aus einer Intimität mit sich selbst kommen. Es sind authentische Fragen, die wirklich interessieren, die wirklich gewusst werden wollen. „Was ist der Sinn meines Lebens?“ oder „Wer bin ich?“ sind solche Fragen, die in der Meditation beantwortet werden.
Man sucht nach Antworten auf wahre Fragen
Das Wichtigste im Leben ist,
sich zu fragen,
was das Wichtigste im Leben ist.
Shunryu Suzuki Roshi
Am Anfang einer Meditationspraxis steht, dass man „es“ wissen will. Meditation ist Balsam für die nach Wahrheit suchende Seele. In der Stille und im intimen Kontakt mit sich selbst tauchen die wichtigen Fragen des Lebens auf. „Was ist der Tod?“ „Wer bin ich wirklich?“ In der sehr intimen, sich selbst nahen Zeit der Meditation enthüllen sich die Antworten.
Selbst Antworten finden
„Finde heraus, was dein Motiv für Meditation ist, was du möchtest. Doch du machst das nicht. Du nimmst einfach ohne Nachzudenken an, was dir gesagt wird. Jemand verspricht dir etwas und dann willst du es. Wenn du dir dein Motiv ansiehst, dann entdeckst du, dass du etwas erreichen willst. Du bist wie ein Geschäftsmann, der so viel Geld wie möglich verdienen will, es ist der gleiche Drang. Du wirst sehen, dass nur einfach still zu sitzen, ohne einen wahren Beweggrund dabei zu haben, zu allem möglichen illusorischem Unsinn führt. Wenn das deine Absicht ist, warum du still sitzt, dann kannst du es gleich bleiben lassen.“
J. Krishnamurti
In der Meditationspraxis geben wir unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuneigung und unsere Zeit dem Wesentlichen. Der Weg durch den Dschungel der Gedanken ist unbestimmt und individuell, wir können ihn nur selbst herausfinden. Seit Jahrhunderten geben Meister der Meditation alle möglichen Meditationstechniken, um dem nach Wahrheit Suchenden zu helfen, selbst Antworten zu finden – ja, zur Antwort zu werden.
Auf Messers Schneide
Die Eigenschaft eines Forschergeists muss in der Tiefe verstanden werden. Ein Suchender nach Wahrheit bewegt sich ständig auf Messers Schneide. Die Wahrheit kommt nicht darüber, sie erforschen und erfassen zu wollen, durch unnachgiebiges Streben und im Kampf mit sich selbst:
„Es ist kein Verdienst, sich überaus anzustrengen oder exzessiv mit sich zu kämpfen. Es gibt keine Pluspunkte für Leute, die sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis verrückt gemacht haben.“
Adyashanti
Ein meditierender Mensch hat einen „Anfängergeist“,
„…ein Geist, der immer offen für Entdeckungen ist. Ab dem Augenblick, in dem man glaubt, etwas verstanden, etwas begriffen, etwas verwirklicht zu haben, ist unser Geist erfüllt von diesem Eindruck und hat keinen Platz mehr, um neue Erfahrungen zu machen. Um also immer erfahrener zu werden, darf man nicht durch die Spuren seiner bisherigen Erfahrungen zu stark beeindruckt werden.“
Anfängergeist
Forschergeist beim Meditieren ist der paradoxe Zustand, einerseits nach Antworten zu suchen, und andererseits entspannt auf sie zu warten. Es klingt unvereinbar, ist es aber nicht. Selbst ausprobieren!
Viel Spaß beim Forschen und Meditieren
wünscht
Samarpan
PS: Wahrheit ist für Individuen
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