Archiv für Juli 2008|Monatliche Archivseite
Put-Zen!
Noseletter 40 – Was passiert, wenn man meditiert?
Ich frage Matthias, der gerade die Glastüre zur Küche putzt, was passiert eigentlich bei dir, wenn du meditierst? Er antwortet mit dem Offensichtlichen: Klarheit!
Meditation reinigt von Konditionierungen und Vorstellungen, die die Sichtweise verstauben. Der ständige Gedankenstrom ist wie Schmutz, der sich auf das legt, was wirklich ist. In vielen Traditionen wird Bewusstsein mit einem Spiegel verglichen, der durch Staub verunreinigt wurde und durch Meditation wieder sauber gemacht wird. Meditierende Menschen könnten also auch als Putzfrauen und Putzmänner bezeichnet werden.
Es wird geputzt und sauber gemacht
Lieber Freund,
Dein Herz ist ein polierter Spiegel.
Du musst ihn von den staubigen Schleiern sauber wischen,
die sich auf ihm angesammelt haben,
denn sein Schicksal ist es,
das Licht göttlicher Geheimnisse widerzuspiegeln.
Al-Ghazzali
Matthias erzählt mir, wie er während einer Meditationsgruppe den Raum betrachtete und ihm alles besonders klar und sauber vorkam. Der Meditationsleiter erklärte ihm seine Wahrnehmung: „Der Gruppenraum ist nicht sauberer als vorher, doch durchs Meditieren sind deine Augen klarer geworden. Du hast deinen inneren Spiegel, dein Bewusstsein, gereinigt und siehst deshalb alles klarer.“
Vor einigen Jahren bot ich einen Kurs „Put-Zen“ an – den inneren und äußeren Spiegel reinigen. In dem Wochenendseminar wurden die Wunden vor allem von Frauen geheilt, die im Alltag ja meist immer noch die wenig wertgeschätzte Aufgabe des Put-Zens übernehmen. Im Zen ist Put-Zen eine höchst spirituelle Angelegenheit: „Uns wurde gesagt, dass Put-Zen die Seele reinigt. Man wäscht so alle schlechten Gedanken und Taten mit ab“, erzählt eine Touristin über ihren Aufenthalt in einem Zen Kloster in Japan.
Crash-Kurs zur Stress-Bewältigung
Meditation an sich ist eine ständige Reinigung. Stille reinigt das Bewusstsein: „Wir plappern den ganzen Tag so viel Unnötiges, Unbedachtes, auch Negatives vor uns hin, und wir belasten damit unsere Seele sehr, ohne es zu bemerken. Schweigen ist Reinigung für die Seele.“
Nikolaus Klein
Meditation bedeutet also, sauber zu machen, zu put-Zen, den inneren Spiegel klar zu wischen. „Wenn man in Meditation fortschreitet, wird der Geist mehr und mehr gezähmt, und schließlich verlagert man den Fokus der Meditation auf sich selbst. Infolgedessen entsteht ein Gefühl von großer Freude, Klarheit, und ein weiter, durchdringender Sinn für Leerheit.“
Buddhismus heute
Put-Zen – innen wie außen
Im folgenden ein Erfahrungsbericht von Meredith, einem Blogger, der sich „Graceful Presence“ nennt und der beim Put-Zen auch den inneren Spiegel säubert:
„Wenn ich sauber mache, dann schwirren viele Gedanken in mir herum und ich erkenne, dass während des Put-Zens auch ein wichtiges Ausmisten in mir selbst geschieht. Die Gedanken bewegen sich in einem Fluss von Bewusstsein und ruhen sich einen Moment lang auf etwas aus, das gerade ein wenig staubwischen benötigt. Ich nehme diese Gedanken genau wahr und versuche sie dann gehen zu lassen.
Während des Put-Zens denke ich über das Metapher des Spiegelpolierens nach. Wenn ich meinen inneren Spiegel ansehe, was sehe ich darin, ganz ehrlich? Was ist dieser Schleier, der mein Herz bedeckt? Was ist dieser staubige Schleier von Ansammlungen aller Art, der das Hervorscheinen meiner reinen Gegenwart behindert?
Blog Graceful Presence
Es gibt einen Film von Doris Dörrie „Erleuchtung garantiert“, bei dem die beiden Helden in einem Zen Kloster den Boden wischen müssen. Als der eine es endlich kann, begreift er, warum Put-Zen Teil der Kloster-Routine ist: Er wische nicht nur den Boden, triumphiert er, er wische auch seine Sorgen weg, jeden Tag ein paar mehr!
Erleuchtung Gerantiert!
„Als wir „Erleuchtung garantiert“ in einem Kloster in Japan gedreht haben, hat mich der Abt ausgelacht, weil er gesehen hat, dass ich wie eine Fliege gestrampelt habe gegen dieses starre Netz von Ritualen. Du verstehst es halt nicht, hat er gesagt, du sollst nicht putzen, um zu putzen, sondern du putzt dich selbst.“
Doris Dörrie
Und schließlich noch einen Hinweis von Thich Nhat Hanh für Putzfrauen und Putzmänner, die Schwierigkeiten mit dem Gestank des (eigenen) Mülls haben:
„Im Abfall sehe ich eine Rose.
In der Rose sehe ich den Abfall.
Alles ist in Verwandlung.
Selbst die Beständigkeit ist unbeständig.
Abfall kann zuweilen furchtbar stinken, insbesondere organischer Abfall. Aber er kann auch in wertvollen Kompost umgewandelt werden, mit dem wir den Garten düngen. Die duftende Rose und der stinkende Abfall sind zwei Aspekte derselben Existenz. Ohne das eine kann das andere nicht sein. Alles ist in Verwandlung. Die Rose, die nach einer Woche verdorrt ist, wird zu einem Teil des Abfalls. Aber nach sechs Monaten wird der Abfall wiederum verwandelt in eine Rose.“
Thich Nhat Hanh
Viel Spaß also beim Put-Zen
wünscht
Samarpan
PS: Körper und Psyche Put-Zen mit Tibetan Pulsing
PPS: Eine Geschichte von Buddha, der beschreibt, wie der Fluss wieder klar wird
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Versteckte Wunden öffnen sich…
Noseletter 38 – Was passiert, wenn man meditiert?
Meditation bringt manchmal Schmerzen mit sich, wenn sich gut versteckte und vermiedene Wunden mit der einhergehenden Entspannung eröffnen. Es ist keine Seltenheit, dass Traurigkeit und Herzschmerz in der Meditation auftauchen.
In der Meditation wird nichts unterdrückt oder vermieden, sondern alles gesehen, was ist. Entdeckte Herzschmerzen können zum Tor für tieferes Verstehen und Erleben werden – sofern die Verwundung zugelassen werden kann.
Im Zen wird eine distanzierte Haltung zum verwundeten Herzen eingenommen: „Wenn Gedanken kommen, lass sie gehen – ohne jede Bewertung, ohne sie weiter zu spinnen oder zu hinterfragen, woher sie kommen und wie sie sich weiter entwickeln und was sie denn vielleicht bedeuten könnten…“
Der Zuschauer hinter aller Erfahrung
„Beobachten“ und „zuschauen“ in der Meditation darf nicht falsch verstanden werden. Zum Beispiel kann Herzschmerz während des Meditierens wahrgenommen, doch als getrennt von sich empfunden werden. Die meisten Meditierenden (so auch ich) unterdrücken mit dieser Abspaltung auf subtile Weise ihre Gefühle, indem sie eine Zweiteilung erschaffen: Hier bin ich, dort der Schmerz – der nicht zu mir gehört.
A.H.Almaas, ein bekannter Meditationslehrer, beschreibt in seinem (englischen) Buch: The Unfolding Now, was Beobachten bedeutet. Er gibt folgenden Rat:
„Verbringe 15 Minuten damit, dein Gefühl zu erforschen, in dem Moment, in dem es auftritt. Erlaube dir, an dem Ort zu sein, wo du bist. Erkenne den Schmerz und was er ist und lasse ihn in Ruhe. Wenn du dir einfach seiner bewusst bist, mit Neugier und Interesse, dann wird er sich enthüllen und zu fließen beginnen. Wenn du weiterhin alles lässt, wie es ist und weiterhin interessiert an dem bist, was gerade ist, dann wird die Erfahrung zu einem Prozess werden, einer Enthüllung, einer inneren Suche und Entdeckung.“
An anderer Stelle:
„Was immer wir erfahren ist Teil unserer wahren Natur, Teil unserer Gegenwart, Teil unseres Bewusstseins. (Auch der Herzschmerz) Wenn wir dazu fähig sind, unsere Erfahrung zuzulassen, sie zu umarmen, sie zu halten, sie völlig zu erfahren, ohne sie abwehren oder verändern zu wollen, dann geben wir ihr Raum, sie selbst zu sein. Dann wird sie sich natürlicherweise entfalten und enthüllen, worum es eigentlich geht. Sie wird sich unsere wahre Natur enthüllen, die jede Erfahrung in sich trägt.“
Die aktiven Osho Meditationstechniken unterstützen diesen ganzheitlichen, von Almaas beschriebenen Prozess des Beobachtens. Beim expressiven Tanzen oder in der Katharsis besteht die Gelegenheit zum Ausdruck der Verwundungen, während gleichzeitig wach wahrgenommen wird, was passiert. Die darauffolgende stille Phase geht tief und erlaubt der inneren Natur, das zu entfalten, was jenseits der Verwundungen ist.
Einige Orte, an denen man aktiv meditieren kann
Viel Spaß mit der Begegnung des Herzens
wünscht
Samarpan
PS: Anregungen für Wunden-Heilungen in der Osho Times
PPS: Filme, die sich um das Thema „Herz“ drehen …
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Ungestört seinen Weg gehen
Noseletter 36 – Was passiert, wenn man meditiert?
Es gibt Zeiten, da mangelt es jedem von uns an Zentrierung. Menschen, Situationen, Gefühle reißen in verschiedene Richtungen und wir erschöpfen uns in dem Versuch, alles unter einen Hut zu bekommen. Wenn man nicht „NEIN!“ sagen kann, dann mangelt es an Hara Qualität – der Eigenschaft, in sich zu ruhen und ungestört zu sein.
Habt ihr schon mal was von Sumo Ringern gehört? Sumo Ringer, das sind die großen, dicken, japanischen Ringer, deren Sport es ist, sich gegenseitig aus dem Zentrum im Bauch zu bringen. Ihre ganze Aufmerksamkeit gilt dem Hara, dem inneren Zentrum von Stärke und Kraft. Meditation führt geradeaus dorthin.
Ohne Zugang zum inneren Zentrum ist das Leben schwer. Ohne Zentrierung bläst uns das leiseste Windchen um. Meditation führt zur Stärkung der Zentrierung im Bauch. Ein starkes Hara bedeutet große Stärke, Ausgewogenheit und Unerschütterlichkeit. Das Hara liegt einige Zentimeter unter dem Bauchnabel und ist die Quelle von Ki (Chi), der Lebensenergie.
Nur mal so, um ein Gefühl für das Hara zu bekommen – ein paar Videos über die japanischen Sumo Ringer. Sie ruhen völlig ungestört in ihrem großen Bauch und entwickeln eine unglaubliche Kraft aus ihrem Hara. (Die Videos sind eine gute Gelegenheit, in den eigenen Bauch zu entspannen und ihn wertzuschätzen…)
Ein kurzes Video über die Sumo Ringer, Einführung in die Tradition mit hautnahen Bildern! (Auf Englisch)
Und noch ein Link über den Meister der Sumo, Asashouryuu, den stärksten der Sumo Ringer. Er ist trotz seines Gewichtes wendig und schnell, hundertprozentig präsent, standfest, er sieht genau, wo sein Gegner aus der Balance ist und hebt ihn mit seinen flexiblen Angriffen einfach aus dem Stand. So lebt ein Meister der Meditation. Wach, präsent, standfest in seiner Individualität, unerschütterlich, zentriert, mutig.
Sumo Meister Asashouryuu — das Video ist auf Japanisch, doch die Bilder sprechen für sich.
Jack Kornfield, ein bekannter Meditationslehrer, erzählt von einem Football Trainer, der seine Jungs über das „Zentrum der Schwerkraft“ belehrte. Er sagte ihnen: „Wenn du mit einem hoch gelegenen Schwerkraft-Zentrum rumläufst, dann wirft dich dein Gegner zu Boden. Bewege dich also, als ob dein Zentrum ein paar Zentimeter unterhalb des Bauchnabels wäre…“
Fußball mit Sumo Ringern, bei dem ihre Wendigkeit und Stärke zu sehen ist (lustiger Werbeclip)
In einer anderen Geschichte erzählt Jack Kornfield über einen Aikido Meister, der über Bewusstheit im Hara lehrte. Er demonstrierte, wie wichtig es sei, diesen einen Punkt in sich zu erhalten, nicht nur im Aikido, sondern im täglichen Leben. Wenn er seine Aufmerksamkeit auf das Hara lenkte, war er nicht von der Stelle zu bewegen. Mehrere Männer, die viel größer als er waren, konnten ihn nicht hochheben oder von seinem Stand wegschieben. In der Demonstration konnte er jedoch sechs angreifende Schüler in einem anmutigen und fast anstrengungslosen Tanz zu Boden werfen.
Jack Kornfields Anregungen zum Hara
Die Sumo Ringer oder Aikido Meister mögen für uns außergewöhnlich aussehen und doch sind sie nur ein Spiegel dessen, was für uns alle auf geistiger Ebene möglich ist. Mit der Wahrnehmung und Entspannung ins Hara können wir ungehindert unseren Weg gehen, egal, wer oder was sich uns in den Weg stellt. Durch Meditation entwickelt sich der gleiche Instinkt, der gleiche Mut, die gleiche Stärke wie die eines Sumo Ringers.
Eine umfassende, sehr gute Beschreibung, wie sich das Hara im Alltag auswirkt, hat Elvira Schneider gegeben.
Und noch eine Meditationstechnik, die das Hara stärkt
wünscht
Samarpan
PS: Man muss kein Sumo Ringer werden – oder vielleicht doch? Zentrierung für Führungskräfte – ein Meditationsseminar
PPS: Filme, die sich um das Thema „Hara“ drehen …
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